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Entgegen alle Vorurteile: Der Pferdemagen ist keine Einbahnstraße
Das dürfte es eigentlich gar nicht geben, denn der Weg vom Pferdemaul in den Magen ist anatomisch als Einbahnstraße geplant.

- Kräftige Schließmuskel am Mageneingang (1) und Magenausgang (2) sind automatische Rückflussbremsen.
Foto: Cavallo
Vom Maul rutscht der Futterbrei durch die etwa 1,20 Meter lange Speiseröhre gen Magenmund (Cardia). Der öffnet sich für zerkautes Futter und schließt sich prompt dank einer muskulösen Klappe (Musculus sphincter cardiae). Dieser Schließmuskel (siehe Zeichnung) ist die Rückflussbremse für geschlucktes Futter und verhindert Rülpsen und Erbrechen – theoretisch.
Die Praxis beweist, dass diese Lehrbuchweisheit nicht stimmt. Humanmediziner Rudolf Virchow (1821 bis 1902), Pionier der modernen Pathologie, schrieb schon im Jahr 1862 in seinem „Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medicin“ gegen die Einweg-Theorie an.
„Wenn man einwendet, das Pferd könne wegen des Baus seiner Schlundklappe keine Luft ausstossen, so kann ich diese Einwendung nicht gelten lassen; theils weil man nicht berechtigt ist, den todten Zustand, wo man allerdings keine Luft aus dem Magen in den Schlund treiben kann, auf den lebenden anzuwenden, theils aber, weil ja das Pferd in der That rülpst.“
Ist die heiße Luft, die aus Maul und Nüstern gluckst, nun harmlos oder alarmierend? „Dass das Rülpsen beim Pferde eher krankhaft ist als bei anderen Thieren, wird anzunehmen sein; dass es aber nur bei so schweren Krankheiten vorkomme, wie oft angeführt wird, ist keineswegs zuzugeben.“ So steht’s im Archiv.
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02.10.2008
© CAVALLO Ausgabe 02/2008
Autor: Linda Krüger
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