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Vier Experten und ihre Erfahrungen mit Zügellahmheit
Erfahrene Reiter kennen das Problem und berichten von ihren Erfahrungen.
Brigitte Tönsfeuerborn (Western-Trainerin aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen)
„Ich hatte einen Araberhengst in Beritt, der beim Freilaufen wunderschöne, raumgreifende Gänge hatte. Sobald ich beim Reiten die Zügel annahm, rollte er sich auf und lief kaum noch vorwärts. Ich erfuhr, dass er mit viel Hand geritten worden war, um ihn zu bremsen, und ritt den Hengst nur noch im Leichttrab am langen Zügel. Wurde er zu schnell, stellte ich ihn Richtung Zaun. In Außenstellung zu laufen, war anstrengend; er wurde langsamer und lernte allmählich, sich vorwärts-abwärts zu dehnen. Er konnte hinten immer mehr Last aufnehmen, lässt sich heute auch in der Versammlung reiten und bewegt sich auch unterm Sattel wunderschön.“
Sarah Wortmann (Klassische Isländer-Ausbilderin aus Seevetal in Niedersachsen)
„Ich kaufte eine auf Zuchtschauen hoch dekorierte Stute. Sie ging Turniere, ihre Leistung wurde immer schlechter. Als sie bei mir ankam, stellte ich fest, dass sie zügellahm war und panische Angst vorm Gebiss hatte. Ich gewöhnte die Stute langsam ans Gebiss und ließ sie fressen, damit sie ein positives Ereignis damit verbindet. Ich übte vorsichtig am Boden Zügel- und Gertenhilfen, bis sie kapierte, was ich von ihr erwartete. Sie sollte verstehen, auf ein treibendes Signal hin die Hinterhand einzusetzen, statt mit durchgedrücktem Rücken loszurennen. Zum Gymnastizieren schicke ich sie an der Hand leicht vorwärts-seitwärts. Ich arbeite seit vier Monaten mit ihr, wir haben noch einen langen Weg vor uns. Im nächsten Schritt werde ich all diese Übungen vom Sattel aus trainieren.“
Anna Limmer (Western-Trainerin aus Buttenheim in Bayern)
„Eine fünfjährige Stute kam mit deutlichem Taktfehler im Trab zu mir, sehr nah an einer Lahmheit. Ich erfuhr, dass sie hauptsächlich von Anfängern geritten wurde, die ihren sehr raumgreifenden Trab nicht sitzen konnten und mit jedem Tritt bremsen wollten. Ich arbeitete zunächst am losen Zügel, damit sie ihre Gänge wieder entfalten konnte. Dann longierte ich sie mit langen Dreieckszügeln vorwärts-abwärts. Weit gelegte Stangen brachten ihren Rücken zum Schwingen und Untertreten. Bei feinfühligen Reitern geht die Stute heute lahmfrei und taktrein. Bei härterer Hand fällt sie ins alte Muster zurück.“
Dr. Gerd Heuschmann (Tierarzt und Bereiter aus Warendorf in Nordrhein-Westfalen)
„Bei mir landete vor längerer Zeit ein Pferd, das nicht nur stocklahm, sondern auch unreitbar war – ein Steiger. Ich longierte das Pferd mit langen Dreieckszügeln. Von Tag 1 bis 4 war er stocklahm. Am fünften Tag ließ er sich fallen und war von da an lahmfrei. Er entspannte sich im Rücken und wird heute beschwerdefrei geritten.“
23.09.2008
© CAVALLO Ausgabe 01/2008
Autor: Cathrin Flößer
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