Arbeit am Boden: Portugisiesche Junghengste fassen Vertrauen

CAVALLO begleitet zwei wilde Hengst-Fohlen aus Portugal in ihr neues Leben in Bayern. Nach der Eingewöhnung wird es ernst - die Jährlinge machen Bekanntschaft mit der Fohlen-Erziehung.

Favorito und Indigo sind zwei Junghengste aus Portugal. Sie wuchsen in der Nähe von Lissabon ohne Menschenkontakt auf. Im Sommer 2013 wurden die beiden Jungpferde vor dem Schlachter gerettet. Weil es in Portugal keine Zukunft für sie gab, nahm sie die Münchener Ausbilderin Kerstin Kremser bei sich in Oberbayern auf. Hier beschreibt Kerstin Kremser, was sie mit den beiden jungen Hengsten erlebt.

Ausbilderin Kerstin Kremser über ihre Arbeit mit den Junghengsten Favorito und Indigo:

Den ersten deutschen Winter haben die beiden portugiesischen Junghengste Indigo und Favorito bisher gut überstanden. Weil Frost und Schnee fehlen, gibt es in den Ausläufen viel Schlamm. Cremello Indigo nutzt die braune Pampe auch für die Fellpflege.

Der einst so scheue Favorito bekommt langsam Routine mit Menschen. Er folgt mir willig überall hin, macht vertrauensvoll, worum ich ihn bitte und wirkt, als hätte er nie in seinem Leben etwas anderes getan.

Beim ersten Termin mit dem Hufpfleger stand er wie eine Eins. In völliger Ruhe gab er Huf um Huf und stellte sie auch brav auf den Bock. Im Umgang ist er manchmal noch etwas rüppelig und fordert gern Futter. Das ist sicher auch eine Folge davon, dass ich Futter lange dafür genutzt habe, überhaupt Zugang zu ihm zu bekommen.

Ich habe jetzt die Futterbelohnungen reduziert und kann ihn auch gut korrigieren, wenn er mal frech wird. Wir drehen mittlerweile ganz alleine kleine Runden über den Hof und auch da ist er klasse: Wenn er unsicher wird, lässt er sich von mir ganz wunderbar beruhigen.

Der vorlaute Indigo ist nach wie vor oft hyperaktiv. Er möchte wirklich alles in seiner Umwelt aufsaugen. Deshalb fällt es ihm schwer, sich im Umgang mit mir auch auf mich zu konzentrieren. Er versucht es zwar, ist aber oft blitzschnell wieder abgelenkt.

Das macht es etwas mühsam, mit ihm zu arbeiten. Wenn er etwas richtig macht, bekommt er manchmal gar nicht mehr mit, dass er dafür gelobt wird. Aber auch das wird langsam besser. Inzwischen gibt es schon Momente, in denen er ganz entspannt neben mir steht, ohne ständig herumzuschauen.

Auch mit ihm gehe ich schon alleine um den Hof. Spannend finde ich, dass Indigo anfangs ja deutlich schneller gelernt hat als Favorito, aber inzwischen langsamer Fortschritte macht als sein Kumpel.

Das Reitpony Mailo, ist nun satt und zufrieden. Er ist wirklich bei uns angekommen! Dabei zeigt sich, dass er ein kleiner Macho ist. Er testet seine Grenzen, wo es nur geht. Das macht den Umgang mit ihm etwas anstrengend, aber er wird nie übergriffig oder böse.

Mittlerweile ist er so schön rund geworden, dass ich das Futter etwas reduzieren kann, was ein sehr gutes Zeichen ist, wie ich finde. Mailo war inzwischen dreimal bei der Physiotherapeutin und bewegt sich immer schöner.

Seine Zähne und Hufe wurden korrigiert und kürzlich war die Sattlerin da, um für ihn einen passenden Sattel zu bringen. So kann er bald geritten werden und ich glaube, das gefällt ihm sehr viel besser, als vom Boden aus gearbeitet zu werden.

20.03.2014
Autor: Redaktion CAVALLO
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