Ohne Kinderstube - Interview mit Andreas Grams

Andreas Grams, 43, ist Pferdewirtschaftsmeister. Der Dressurspezialist, zweimalige baden-württembergische Landesmeister und ehemalige ­Landestrainer besitzt in Bietigheim-Bissingen einen Dressurstall.

 

Foto: Rädlein Pferdewirtschaftsmeister Andreas Grams.

Welches Ihrer Pferde war am ­schwierigsten?
Ein achtjähriger Württemberger-Wallach, ein sehr talentiertes, aber auch sehr dominantes Pferd. Er war nur mit einem anderen Fohlen zusammen aufgewachsen. Da ihn die älteren Pferde in Ruhe gelassen hatten, fehlte ihm die Kinderstube völlig. Außerdem war seine Besitzerin sehr vorsichig und konnte sich nicht gegen ihn durchsetzen. Der Wallach drängelte in der Box, rannte einen beim Führen über den Haufen und ließ sich nicht verladen. Das ging einmal soweit, dass seine Besitzerin nach einem Turnier zu ihrem Stall zurückreiten musste.

Was machten Sie mit dem Pferd?
Wir haben wie beim jungen Pferd mit grundsätzlichen erzieherischen Dingen angefangen: dass das Pferd am Strick geht, ohne daran zu ziehen oder zu überholen. Damit haben wir auch unterm Sattel weiter gemacht: Wenn er nach dem Anhalten brav stehen blieb, gab es Lob. Rannte er sofort weiter, habe ich ihn ein paar Schritte rückwärts gerichtet.

Was wurde aus dem Pferd?
Das ist noch heute bei uns. Der Wallach ist sehr gut reitbar und hat Turniererfolge bis Klasse M. Er wird allerdings immer ein Pferd bleiben, das man ab und zu in die Schranken weisen muss.

Gab es Situationen, in denen Sie Angst hatten?
Zwischenzeitlich war ich kurz davor, alles hinzuschmeißen. Manchmal reagierte das Pferd völlig kopflos. Einmal ist es mit mir auf rutschigem Asphalt durchgegangen, und ich konnte es einfach nicht bremsen. Da hatte ich echt Angst, mit dem Pferd hinzufallen.

18.09.2008
© CAVALLO
Ausgabe 08/2008