Bundestrainer Hans Melzer: "Erste anspruchsvollere Prüfung kommt mit Marbach"

Für die Vielseitigkeitsreiter hat die Saison begonnen: Im Interview spricht Bundestrainer Hans Melzer über seine Ziele für das Team - mit Blick auf die Weltreiterspiele in der Normandie.

Im Interview mit Uta Henkelberg (Deutsche Reiterliche Vereinigung FN) spricht Hans Melzer, Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, über die kommenden Championate mit Blick auf die Weltreiterspiele in der Normandie.

Uta Henkelberg: Herr Melzer, die ersten internationalen Vielseitigkeitsturniere in Deutschland liegen bereits hinter Ihnen, ebenso die ersten Kaderlehrgänge. Wie ist die Stimmung nach den Prüfungen in Luhmühlen, Kreuth und Radolfzell?

Hans Melzer: Die Stimmung ist gut. Alle potenziellen WM-Pferde haben ihre ersten Starts absolviert. Erfreulicherweise gab es über Winter keine Ausfälle und auch Sam (Michael Jung) und Opgun Louvo (Sandra Auffarth), die beide im vergangenen Jahr ja pausieren mussten, sind wieder dabei.

Zu sehen bekamen wir auch einige gute Nachwuchspferde, die langfristig fürs Championat interessant sein könnten. Bei ihren ersten Turnieren waren alle gut drauf und schon weit fortgeschritten im Training, wozu sicher der milde Winter beigetragen hat. Die Anforderungen waren allerdings noch nicht zu hoch. Es ging erstmal darum, den Pferden nach der Winterpause wieder Spaß am Gelände zu vermitteln. Die erste anspruchsvollere Prüfung kommt jetzt mit Marbach.

Uta Henkelberg: Die Marbacher Vielseitigkeit ist traditionell die erste Drei-Sterne-Kurzprüfung der Saison in Deutschland. Welche Bedeutung hat das Turnier in diesem Jahr?

Hans Melzer: In Marbach ist das erste Kräftemessen der deutschen Top-Reiter. Bis auf Kai-Steffen Meier, der in Badminton an den Start geht, haben fast alle Kaderreiter genannt. Es wird also spannend. Die Geländeprüfung wird aber noch nicht zu schwer sein, sondern der Jahreszeit angemessen. Es wurde jedoch ein zusätzlicher Hügel in die Strecke eingebaut, damit die Pferde dort einen entsprechenden Konditionsschub bekommen. Danach geht es mit dem Turnier in Luhmühlen weiter.

Uta Henkelberg: Sonst gingen auch deutsche Reiter beim Traditionsturnier in Badminton an den Start. In diesem Jahr ist es nur Kai-Steffen Meier. Warum?

Hans Melzer: Das haben wir immer schon so gehalten, dass wir unsere Top-Pferde in den WM- und Olympiajahren über Drei-Sterne-Kurzprüfungen fit halten und auf den Saisonhöhepunkt vorbereiten. Das ist auch in diesem Jahr so. Da passt Luhmühlen besser ins Konzept.

Dort starten die Pferde, die sich noch für die WM empfehlen wollen, in Vier-Sterne-Prüfungen, so zum Beispiel Hale Bob oder Rocana TSF, die Zweitpferde von Ingrid Klimke und Michael Jung. Aber auch Ben Winter, Bettina Hoy, Andreas Ostholt oder Kai Rüder werden wir da am Start sehen. Die Pferde mit Vier-Sterne- oder Championatserfahrung treten im CIC3* an und bewerben sich damit auch um den Deutschen Meistertitel.

Uta Henkelberg: Welche Turniere außer Marbach und Luhmühlen spielen auf dem Weg zur WM noch eine Rolle?

Hans Melzer: Wir werden versuchen, neben Aachen die Nationenpreisturniere in Houghton Hall in England, Strzegom in Polen und Malmö in Schweden zu beschicken. Malmö ist vor allem für diejenigen interessant, die in Luhmühlen im CCI4* gegangen sind und für die das Turnier in Aachen etwas früh käme.

Ansonsten ist der CHIO Aachen der wichtigste Meilenstein vor den Weltreiterspielen. Wer dort reiten darf, entscheidet sich wie immer nach Luhmühlen. Dort wird auch wieder die Longlist aufgestellt.

Uta Henkelberg: Wenn morgen schon die WM stattfinden würde, wer sind Ihre Favoriten?

Hans Melzer: In Haras de Pin wird vor allem eine gute Kondition entscheidend sein. Ich denke, dass unsere Chancen gut stehen. Zu meinen Favoriten zählen außerdem die Neuseeländer, US-Amerikaner, Engländer, die Schweden und natürlich die Franzosen, die gerade als Mannschaft sehr stark aufgestellt sind.

Die Australier sind momentan noch schwer einzuschätzen. In der Einzelwertung wird Michael Jung sicher alles daran setzen wird, seinen Weltmeistertitel zu verteidigen. Aber natürlich ist auch mit Reitern wie Andrew Nicholson oder William Fox-Pitt zu rechnen, dem ja immer noch ein Titel in der Einzelwertung fehlt. Für eine wirkliche Prognose ist es im Augenblick aber einfach noch zu früh. Nach Badminton und Luhmühlen wissen wir mehr…

Fotostrecke: Fotostrecke: Michael Jung beim CHIO 2011

8 Bilder
CAVALLO Michael Jung Vielseitigkeit Foto: Michaela Mertens
CAVALLO Michael Jung Vielseitigkeit Foto: Michaela Mertens
CAVALLO Michael Jung Vielseitigkeit Foto: Michaela Mertens
05.05.2014
Autor: Redaktion CAVALLO / FN press Uta Helkenberg
© CAVALLO
Ausgabe 5 / 2014 /2014