CAVALLO Mistgabel an gewissenlose Geschäftsleute im russischen Golubitskaja

Die CAVALLO Mistgabel für gewissenlose Geschäftsleute im russischen Golubitskaja.

 

Foto: Getty Images, Illustration: Per Juel Eselstute Anapka hing mehr als 30 Minuten schreiend an einem Gleitschirm 40 Meter hoch über dem Meer.

Pferde sind stark. Pferde sind freundlich, edel und auch sonst extrem sympathisch. Kurz: Pferde sind die idealen Werbeträger, wie eine ganze Reihe von Weltmarken beweist. Ferrari ohne Pferdelogo? Undenkbar. Der Marlboro-Cowboy ohne schaftreues Reittier? Nur ein Fußgänger mit Zigarette. Budweiser ohne die lustigen Werbespots mit dem Clydesdale-Gespann? Nun ja, ein amerikanisches Bier halt. Was läge also näher, als mit einem Pferd zu werben? Aber schön spektakulär muss es sein.

So ähnlich müssen sich das ein paar Geschäftsleute im russischen Golubitskaja gedacht haben. Das Dorf liegt am Südrand des Asowschen Meeres und hat einen Badestrand. Den Männern gehören die nicht ganz so spektakulären Hauptattraktionen des Strands: Urlauber können sich hinterm Motorboot auf einer Wasserbanane oder mit einem Gleitschirm übers Meer ziehen lassen. Außerdem kann man mit einem Pferd, einem Kamel und einer Eselstute für Souvenirfotos posieren oder sich von ihnen eine Runde über den Sand tragen lassen.

Offenbar brennt die südrussische Sonne dabei ziemlich stark vom Himmel. So stark, dass es den Unterhaltungs-Unternehmern vermutlich das Hirn verschmurgelte. Anders ist nicht zu erklären, wie sie auf eine selten dämliche Idee kamen, um ihre lauen Geschäfte anzukurbeln: Kombinieren wir doch Gleitschirm mit Pferd. Wirkt schön spektakulär, und Pferde sind Hingucker. Ach so, das Pferd ist zu schwer für den Schirm. Das Kamel? Auch zu schwer? Aber der Esel, der ist flugtauglich leicht und ebenfalls sympathisch.

Was dann kam, kann man in einem Internet-Video begutachten (www.cavallo.de/esel). Mehrere Männer befestigen das Geschirr des Gleitschirms an der noch arglosen Eselstute namens Anapka. Strandbesucher stehen rund um das merkwürdige Treiben, manche filmen. Einige lachen, als der Gleitschirm das Tier mit einem Ruck 40 Meter hoch in die Luft reißt. Die Eselin schrie angeblich mehr als 30 Minuten am Gleitschirm hängend, bevor sie aufs Wasser klatschte und meterweit über den Strand geschleift wurde. Kinder weinten. Die Erwachsenen filmten mit Handykameras.

Wir finden das so unsympathisch, dass wir am liebsten gleich ein Bündel scharfer Mistgabeln am Strand verteilen würden. An die vielen Zuschauer, die nichts taten, um die Quälerei des Esels zu verhindern. Oder an die vier Besitzer von Gleitschirm, Wasserbanane und Motorboot, die für einen billigen PR-Gag Herz und Verstand ausschalteten. Immerhin: Aufmerksamkeit haben sie jetzt. Die russische Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen die vier Übeltäter. Sollte ein Gericht sie schuldig sprechen, drohen ihnen 100 000 Rubel (etwa 2550 Euro) Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft – in russischen Gefängnissen.

Vielleicht treffen sie dort Anapkas Besitzer wieder, für den wir eine extraspitze Mistgabel im Sortiment haben. Nicht nur, dass er seinen Esel für die brutale Flugstunde hergab. Anschließend suchte er auch noch das Weite und ließ sein Tier im Stich, das von Badegästen durchgefüttert werden musste. Glück im Unglück: Anapka überstand nicht nur den unfreiwilligen Freiflug offenbar ohne größere körperliche Schäden. Die englische Boulevardzeitung „The Sun“ kaufte die Eselin und will sie jetzt nach England holen.

20.08.2010
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2010