CAVALLO-Mistgabel für den Dressurreiter Patrik Kittel

Die Mistgabel der CAVALLO-Redaktion im Monat Dezember 2009 geht an den Dressurreiter Patrik Kittel. Er hatte seinem Pferd Scandic beim Reiten mit der Kandare die Zunge derart abgequescht, dass sie blau wurde.

Beim Weltcupturnier in Odense/Dänemark ritt Kittel seinen Wallach auf dem Dressurabreiteplatz in enger Rollkurhaltung. Dabei lief die Zunge des Pferds blau an, wie ein Video des Internetportals Epona-TV beweist: Zum Video auf Epona-TV.

 

Foto: Per Juel

Die Blauzungenkrankheit ist der Schrecken aller Bauern, weil sie sieches Vieh signalisiert. Inzwischen leiden auch Pferde unter Blauzungenkrankheit – ausgelöst nicht etwa durch Viren, sondern durch harte Hände, die per Trense und Kandare so kraftvoll zupacken, dass das Gebiss die Zunge abschnürt. Ein aktuelles Beispiel liefert der Dressurreiter Patrik Kittel. Ein Team des dänischen Epona-TV filmte ihn beim Abreiten während des Weltcupturniers im dänischen Odense. Auf dem Video war zu sehen, dass Scandics Zunge blau aus dem Maul flappte. Dass sie definitiv blau angelaufen war – Zeichen für Blut- und Sauerstoffmangel –, sollen laut Epona-TV fünf Tierärzte bestätigt haben, denen die Aufnahmen vorlagen.

Blaue Pferdezungen, von harter Hand abgequetscht, sind nichts Neues: So keuchte sich beispielsweise bereits in den 80er Jahren die einst leichtfüßig tanzende Trakehner Bundeschampionats-Siegerstute Corna bei einer Galavorführung mit dunkelblauer Zunge durchs Showprogramm. Neu ist lediglich, dass die Quälerei endlich öffentlich diskutiert wird. Trotzdem scheint es bei manchem Reiter mit der Einsicht zu hapern, selbst wenn er in Flagranti erwischt wird.

Das zeigt Kittels Stellungnahme im Internet-TV-Magazin „Zeit für Pferde“, mit dem CAVALLO kooperiert: „Scandic neigt dazu, immer mal wieder seine Zunge über das Gebiss oder zwischen die Gebisse zu schieben. Es gibt einfach Pferde, die so etwas machen.“ Wie bitte? Jeder Ausbilder, sogar jeder Reitschüler weiß mittlerweile, dass sogenannte Zungenfehler angeritten werden. Sie sind ein Hilferuf des Pferds, das seine Zunge vor dem harten Gebissdruck schützen möchte. Ein Pferd, das die Zunge bei auf die Brust gezogenem Kopf noch zwischen Trense und Kandare zwängen kann, muss daher ziemlich verzweifelt sein. Kittel weiter: „Da ich das weiß, bin ich darauf schon gefasst. In diesem Fall hat es 22 Sekunden gedauert, bis ich Scandic geholfen habe, die Zunge wieder korrekt unter die Kandare zu legen.“

Kittel „weiß“, dass sein Pferd die Zunge beim Abreiten herausstreckt. Er hat ihm „geholfen“, die Zunge unter die Kandare zu legen. Wie nobel. Und wenn er dann noch sagt „Mit Zwang kann man kein Pferd zu solchen herausragenden Ergebnissen führen“, dann ist das schlicht gelogen. Die Ergebnisse und Platzierungen der letzten Jahre zeigen nämlich, dass gerade Pferde, die mit extremem Zwang ausgebildet werden, sehr hoch punkten und häufig gewinnen. Für diesen falschen Zungenschlag vergeben wir gerne eine richtig stachlige Mistgabel. Vielleicht hilft sie dem Reiter, die Zungen in Zukunft stärker zu hüten. Seine und die seines Rosses.

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13.11.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 12/2009