CAVALLO Mistgabel für den Springreiter Rodrigo Pessoa

Die Mistgabel des Monats Februar geht an den Springreiter Rodrigo Pessoa, Vorsitzeder des IJRC für seinen offenen Brief an die FEI. In diesem bat er, in Erwägung zu ziehen, künftig den Einsatz bestimmter Eintzündungshemmer im Reitsport zuzulassen.

 

Foto: Per Juel

Lieber Herr Pessoa, derzeit schlagen die Wogen um die von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) vorgeschlagenen Dopingregeln ja recht hoch. Fast im Stundentakt melden sich nationale Reitsportverbände, Tierärzte und Turnierveranstalter. Schließlich geht es bei dem Streit darum, ob Sie und Ihre Kollegen Pferde künftig mit Entzündungshemmern wie Phenylbutazon für den Parcours fit machen dürfen. Da scheint es ganz natürlich, dass Sie sich im Namen des von Ihnen geführten Internationalen Springreiterclubs (IJRC) mit einem offenen Brief an FEI-Präsidentin Haya wenden. Ihrem Club gehören schließlich die 100 besten Reiter des internationalen Springsports an. Und wenn jemand von den neuen Dopingregeln betroffen ist, dann bestimmt die Weltstars der Szene. Für Ihr Schreiben haben wir deswegen volles Verständnis. Auch für Ihre darin enthaltene Forderung, endlich die Doping- und Medikationsregeln weltweit anzugleichen. Zurecht bemängeln Sie, dass es beispielsweise zwischen den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland, ganz zu schweigen von den USA, unterschiedliche Vorschriften gibt, was ins Pferd darf und was nicht. Dass das für Reiter, die jedes Wochenende auf einem anderen Turnierplatz herumspringen, eine unerträgliche Situation ist, können wir verstehen. Nur nicht die Konsequenz, die Sie und Ihre Kollegen daraus ziehen. „Wir sind nachhaltig und fest gegen jede Form von Doping, wie in der Richtlinie der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) festgelegt“, schreiben Sie unter Punkt drei Ihres Briefs an die FEI. Doch die WADA lässt Entzündungshemmer im Humansport zu. Und was für den Menschen gut ist, kann fürs Pferd ja nicht schlecht sein. Unter Punkt fünf heißt es dann auch konsequent: „Wir denken, es ist Zeit, den Einsatz bestimmter Moleküle in Erwägung zu ziehen.“ Wir finden, allein das genügt schon für eine Mistgabel. Dass unter Punkt eins des Schreibens tatsächlich die Floskel steht: „Vor allem möchten die Reiter das Wohlergehen ihrer Pferde sichern“, wäre eine zweite Mistgabel wert. Und eine dritte gäbe es für Dreistigkeit in Ihrem abschließenden Appell: „Frau Präsidentin, wir bitten respektvoll darum, dass Sie die Progressive Liste beibehalten und uns Reiter vor dem Schaden bewahren, der uns in den Medien international aufgrund einer Situation angetan wird, die wir nicht geschaffen haben und für die wir nichts können.“ Was soll dieses Selbstmitleid? Der einzige, der bisher Schaden angerichtet hat, sind Sie: Dass mit Christian Ahlmann, Bernardo Alves, Marco Kutscher und Tony André Hansen gleich vier Mitglieder Ihres Verbands bei den Olympischen Spielen in Hong Kong wegen Capsaicin-Funden disqualifiziert wurden, war vermutlich nur ein blöder Zufall. Wie auch der Fund von Nonivamid – ein dem Capsaicin verwandter Stoff – bei Ihrem Pferd Rufus.

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17.02.2010
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 02/2010