CAVALLO Mistgabel für den Stallbetreiber Ralf Michel aus Kulmbach/Bayern

Die Tierseuchenkassen der Bundesländer entschädigen Pferdehalter bei ihrem Verlust. Immerhin bis zu einer Summe von 5000 Euro. Vorausgesetzt der Jahresbeitrag ist bezahlt. In diesem Fall war dies die Aufgabe des Pensionsstallbetreibers.

 

Foto: Per Juel

Seuche – das klingt nach Pest, Pocken und Cholera; nach Unappetitlichem aus längst vergangenen Tagen. Auch die Zeit der Tierseuchen scheint längst vorbei; die meisten Pferdehalter denken bei dem Wort „krank“ eher an Kolik und Sehnenschaden. Sie kämen nicht im Traum darauf, dass eines Tages ein Amtstierarzt anordnet, ihr Pferd zu töten. Doch es kommt vor – etwa in Oberfranken, wo insgesamt sieben Pferde eingeschläfert wurden, weil sie an der als Seuche eingestuften Infektiösen Anämie (IA) litten. Damit der Besitzer bei so einem großen Verlust wenigstens eine kleine Entschädigung bekommt, gibt es in den Bundesländern Tierseuchenkassen. Die zahlen maximal 5000 Euro für ein Pferd, vorausgesetzt, es ist bei ihnen gemeldet und der Beitrag (in Bayern 1,60 Euro pro Jahr) bezahlt.

In Pensionsställen ist der Stallbetreiber für die rechtzeitige Anmeldung aller Pferde verantwortlich, die jedes Jahr zum 1. Januar erfolgen muss. Der Beitrag für die Tierseuchenkasse ist üblicherweise im Pensionspreis enthalten. Doch das heißt nicht, dass die Beiträge auch tatsächlich bei der Seuchenkasse landen, wie einige Einsteller von Stallbetreiber und Pferdewirtschaftsmeister Ralf Michel aus Kulmbach erfahren mussten. Fünf Pferde wurden hier wegen IA eingeschläfert, der Stall kam unter Quarantäne. Die Tierseuchenkasse entschädigte zwar – doch die Besitzer der getöteten Pferde waren überrascht, als ihnen in der Abrechnung jeweils 1000 Euro vom geschätzten Wert der Pferde abgezogen wurde. So gab es einmal 3800 statt 4800 Euro; ein anderes Mal 4000 statt 5000 Euro. Die Erklärung laut bayerischer Tierseuchenkasse: Der Stallbetreiber habe nicht alle Pferde gemeldet. Das hat Konsequenzen: „Eine nicht oder eine zu gering gemeldete Tierzahl kann nach § 69 Abs. 3 des Tierseuchengesetzes zur Folge haben, dass der Tierhalter den Anspruch auf sämtliche Leistungen aus der Tierseuchenkasse verliert“, heißt es für jeden zugänglich auf der Homepage der Seuchenkasse.

Dass diese überhaupt zahlte, ist daher großzügig. Geschäftsführer Dr. Franz Josef Pauels verweist auf das Tierseuchengesetz, das ihm hier Entscheidungsspielraum lässt: „Die Entschädigung kann in den Fällen des § 69 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 teilweise gewährt werden, wenn die Schuld gering ist oder die Versagung der Entschädigung für den Besitzer eine unbillige Härte bedeuten würde. Wir haben den Fall lange beraten und uns dann für diese Lösung entschieden.“ Die Differenz von 1000 Euro müssen die Einsteller jetzt zivilrechtlich vom Stallbetreiber einklagen; zwei von ihnen wollen vor Gericht ziehen. Das bedeutet viel Aufwand und Ärger für sie, nur weil Michel – der bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war – seine Pflicht versäumte. Für dieses unverantwortliche Benehmen gibt es nur eins: eine Mistgabel.

Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 04/2010