CAVALLO Mistgabel für den Vorstand des Reitvereins Hubertus in Langenhagen

Die Mistgabel ging an den Vorstand des Reitvereins Hubertus in Langenhagen.

 

CAVALLO Mistgabel
Foto: Per Juel

Alles schien ganz unkompliziert: Für 2500 Euro kaufte Martin Müller seiner Tochter ein Schulpferd vom Reit-, Fahr- und Voltigierverein Hubertus im niedersächsischen Langenhagen. Das Geld war bezahlt, die Tochter war glücklich, nur die Eigentumsurkunde ließ auf sich warten – und das, obwohl der Verein sie zugesagt hatte. Müller nahm nach mehrfachen Aufforderungen einen Anwalt, um das wichtige Papier endlich zu erhalten.

Das war der Startschuss für ein außerordentliches Gezicke, bei dem immer seltsamere Argumente aus der Vereinsspitze gezaubert wurden. Erst koppelte der Verein die Herausgabe der Urkunde an einen schriftlichen Kaufvertrag. Darin stand plötzlich, die Stute habe Arthrose. Diesen Vertrag wollte Müller verständlicherweise nicht unterschreiben. Stattdessen klagte er auf Herausgabe der Eigentumsurkunde vor dem Amtsgericht Hannover.

Der Verein reagierte prompt – aber anders, als man sich es vorstellt: Er schloss Müller, seine Frau und die beiden Töchter kurzerhand aus dem Reitverein aus. Begründung des Vereinsvorstands: recht hässliche Worte, gar Beleidigungen der Erwachsenen, die sich ihren Frust von der Seele schimpften. „Störung des Vereinsfriedens“ sei das. Mag sein. Aber was, fragt man sich da sofort, haben die Töchter mit dem Streit des Vaters zu tun? Ist das jetzt spontane Sippenhaft? Seit wann können Kinder etwas dafür, dass sich ihre Eltern mit wem auch immer streiten? Wie kann man sie deshalb aus einem Verein werfen, in dem sie Pferd und Freunde haben?

Inzwischen haben beide Parteien vor Gericht einen Vergleich geschlossen. Dabei stellte der Richter klar, dass der Verein die Eigentumsurkunde selbstverständlich auch ohne Kaufvertrag herausrücken muss; im Gegenzug wurde die Gewährleistung des Verkäufers für die Stute auf ein Jahr begrenzt. Schwer verständlich bei dem Fall war noch etwas: Warum sich der zweite Vorsitzende des Vereins, der den Rechtsstreit führte, selber Anwalt und dazu auf Pferderecht spezialisiert ist, diesen seltsamen Streit mittrug, statt seine Vereinskollegen zu bremsen. Da kann man nur sagen: Warum nicht gleich so, lieber Reitverein? Wozu das Hickhack? Es fing doch alles ganz harmlos an. Es mag auch sein, dass es in jedem Verein menschelt und unmenschelt – aber das ist kein Grund, zusätzlich zum Streit ums Pferd auch noch die Kinder einzubeziehen. Das ist keine Empfehlung für einen Stall – und erst recht keine Empfehlung für künftige Pferdekäufer. Denn der Fall signalisiert auch, dass man von diesem Verein lieber kein Schulpferd kaufen sollte, weil damit nichts als Ärger verbunden ist. Da spendieren wir dem Vorstand gerne noch eine Mistgabel dazu – als spitzfindiges Argument, warum Kinder nicht für ihre Eltern haften.

24.08.2010
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 07/2010