Die Goldene Gabel geht an Amtsrichter Christian Korf aus Meldorf

Ein übler Trick schien über Jahre ein gewinnbringendes Geschäftsmodell: Sabine D. suchte über Anzeigen Weidekumpel für ihr Pferd. Doch wer ihr ein Pferd – manchmal mit Schutzvertrag – anvertraute, sah es entweder krank und abgemagert oder gar nicht wieder, denn viele Tiere verschwanden.

 

CAVALLO Goldene Gabel Auszeichnung für fairen Umgang mit dem Pferd
Foto: Redaktion CAVALLO Der CAVALLO-Artikel zum Thema.

Zu ihnen zählten auch die beiden Quarter Horses Shockey und Macho, die Eheleuten aus Bremen gehörten. Das Paar erstattete Anzeige und reichte per Anwalt Zivilklage ein – genau wie vier weitere Betroffene, deren Pferde sich bei Sabine D. ebenfalls scheinbar in Luft auflösten. Um ihre Spuren zu verwischen und neue Pferde zu ergattern, wechselte die Frau immer wieder ihren Namen und den ihres Lock-Pferds.

Jetzt wurde Sabine D. vor dem Amtsgericht Meldorf in Dithmarschen/Schleswig-Holstein der Prozess gemacht. Er endete in der Hauptverhandlung am 14. Januar 2010 mit einem ungewöhnlich harten Urteil: Richter Christian Korf verhängte 39 Monate Haft wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz – also drei Jahre und drei Monate Gefängnis. Damit sattelte Korf noch drei Monate auf das Strafmaß, das der Staatsanwalt gefordert hatte. Für Korf war erwiesen, dass Sabine D. – die wegen Betrugs schon einmal vor Gericht stand – zwischen 2007 und 2009 elf Beistellpferde verschwinden ließ. In dieser Zeit hatten ihr insgesamt zehn Pferdebesitzer in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ihre Tiere anvertraut. Zum Teil wurden die Pferde verkauft, einige wohl geschlachtet. Mehrere Pferde sind bis heute spurlos verschwunden.

 

Foto: Per Juel Die Goldene Gabel von CAVALLO.

Die Angeklagte habe über das Internet und im persönlichen Kontakt „in besonders verwerflicher Weise“ das Vertrauen der Pferdebesitzer erschlichen und deren Sorge um die Tiere ausgenutzt, so Korf in der Urteilsbegründung. „Sie hat ihre Mitleids-Trumpfkarte ausgespielt, um sich dieser Beistellpferde zu bemächtigen.“

Bravo. Klare Worte und ein mutiges Urteil im Sinne des Tierschutzes, das längst überfällig und daher Gold wert ist. Denn Betrüger nutzen die miese Masche mit den Beistellpferden seit Jahren, ohne dass etwas passiert.

Zu dürftig scheinen manchen Richtern die Beweise; zu ängstlich sind oft Pferdebesitzer, um vor Gericht zu ziehen. Oder sie resignieren: „Da kann man doch nichts machen, den Tricksern passiert nichts.“ Da Betrüger bisher kaum Angst vor Strafe hatten, blieb der Anreiz hoch, mit fremden Pferden ohne viel Arbeit diverse Euros abzustauben. Christian Korf hat mit seinem Urteil einen Pflock eingeschlagen, der hoffentlich doppelt wirkt: abschreckend auf Betrüger, ermutigend auf Betrogene.

Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 03/2010