Doping-Fall Isabell Werth: Macht sie Pferden zu viel Druck?

 

CAVALLO Isabell Werth Wiesbaden
Foto: Wehnert Isabell Werth beim Pfingstturnier in Wiesbaden auf Warum nicht - "Hannes". Das Pferd wird in Rollkur-Manier geritten.

Forum: Doping im Spitzenreitsport - Wie geht es weiter mit den deutschen Reitern?

Der Doping-Vorwurf ist für Kritiker von Dressurreiterin Isabell Werth nur das Tüpfelchen auf dem i: Sie bemängeln an ihrer Reitweise schon länger, dass sie Pferde ebenso wie ihre schärfste Dressur-Konkurrentin Anky van Grunsven (Niederlande) öfters in der Rollkur-Haltung reitet, bei der Pferden die Nase an die Brust gezogen wird. Damit wird nach Ansicht von Experten erreicht, dass dem Pferd die Sicht genommen wird und es dem Reiter hilflos ausgeliefert ist – ein Phänomen, das Psychologen als „Learned helplessness“ bezeichnen.

Außerdem wurde Isabell Werth bereits in der Vergangenheit bei Turnieren dafür kritisiert, dass ihr „die Harmonie mit dem Pferd“ fehlte, wie Christoph Hess, Ausbildungsleiter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN, 2007 im Gespräch mit CAVALLO sagte. Als verantwortlicher Richter bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen hatte er Isabell Werth damals während der Turniervorbereitung zur Rede gestellt. „Sie versuchte, auf dem Abreiteplatz eine Piaffe zu reiten, die schon im Ansatz nicht klappen konnte, weil das Pferd gegen sie ging und verunsichert war“, so Hess.

 

CAVALLO Isabell Werth
Foto: Rädlein Isabell Werth beim Maimarkt Turnier 2007 auf Fuchsberger.

CAVALLO-Chefredakteurin Christine Felsinger beobachtete Isabell Werth vor zwei Jahren beim internationalen Turnier auf dem Mannheimer Maimarkt während einer Recherche zum Titelthema Rollkur und Brutalität bei Profi-Reitern. „Im Team mit der holländischen Dressurrichterin und Psychotherapeutin Dr. Ulrike Thiel sowie CAVALLO-Fotografin Lisa Rädlein stand ich zwischen Abreiteplatz und Dressurviereck“, schildert sie ihre Eindrücke. „Wir filmten und fotografierten. Isabell Werth ritt damals in einer S-Dressurprüfung zwei Nachwuchspferde; Fuchsberger und Whisper. Auf den beiden Fotos, die wir anschließend in CAVALLO 7/2007 veröffentlicht und kommentiert hatten, ist klar zu sehen, wie viel Druck das Pferd Fuchsberger von der Reiterin bekam.

Die Quittung: Es verweigerte sich im Viereck und zeigte fast die identische Reaktion, die man ein Jahr später bei Isabell Werths Olympia-Pferd Satchmo in Hong Kong 2008 bei der Dressur-Kür sah: Beide Pferde wurden so eng zwischen Zügeln und Schenkeln gemacht, dass sie rückwärts rannten und zu bocken anfingen. Solche Bilder haben nichts mehr mit Dressur zu tun. Man sieht ganz klar am Gesichtsausdruck der Reiterin, dass hier verbissen um Sieg und Platz gekämpft wird. Und die Vermutung liegt nahe, dass man versucht, solchen Aussetzern mit Beruhigungsmitteln beizukommen.“

Dr. Ulrike Thiel, Psychotherapeutin, Reitlehrerin und Dressurrichterin vom holländischen Institut für Hippische Sportpsychologie und Equitherapie Hippocampus, kommentierte Isabell Werths Reitweise auf dem Maimarkt-Turnier 2007 so: „Mittels subtiler, einander widersprechender und das Pferd aufstachelnder Hilfen wurde es soweit gebracht, dass es sich wehrt. Das wiederum wurde durch die Dominanzgeste der Reiterin unterbunden, bei der ihr extrem verbissener Körper- und Gesichtsausdruck auffällt. Das Pferd handelte nicht aus eigenem Antrieb panisch oder widersetzlich. Auch „Umweltreize“, welche die Reiterin später selbst als Ursache für die Reaktionen des Pferds anführte, dürften zumindest für die Ansätze zum Bocken keine Rolle gespielt haben. Vielmehr wurde das Pferd systematisch so in die Enge getrieben, bis es nicht anders handeln konnte.“

Voting: Dopingverdacht - Was denken Sie über Isabell Werth?

25.06.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO