Kommentar: Rollkur + Box = strafbar

Einzelhaltung in Boxen, keine freie Bewegung, blutiger Sporeneinsatz und Rollkurreiten: Das Amtsgericht Starnberg verurteilte eine Reiterin von drei Pferden zu einer hohen Geldstrafe. Ein längst überfälliges Urteil.

 

CAVALLO Christine Felsinger Chefredakteurin
Foto: Rädlein Christine Felsinger (Chefredakteurin CAVALLO)

Gerichte sprechen im Namen des Volkes Recht. Eine bayerische Amtsrichterin hat nun im Namen der Pferde eine Volksbewegung losgetreten, deren Folgen die Stallwelt in den Grundfesten ihres vielerorts fest zementierten Kastendenkens erschüttern kann: Sie verurteilte eine Reiterin wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, weil sie Pferde mit Rollkur und Sporen malträtierte. Und diese in Boxen ohne Auslauf hielt, obwohl es im Stall Paddocks und Weiden gibt.

180 Tagessätze à 150 Euro muss die dreifache Pferdehalterin und frühere M-Klasse-Reiterin zahlen. Sie ist damit vorbestraft, hat versichert, dass sie ihre Pferde künftig auf die Koppel schicken und Trainingsmethoden überdenken will. Wird das Urteil des bayerischen Amtsgerichts in nächster Instanz bestätigt, sieht es düster aus an Deutschlands Boxen-Front. Wer sich als Fundamentalist outet und seinem Pferd weder Spiel mit Artgenossen noch freien Auslauf gönnt, sondern maximal am Strick spazieren geht, würde sich tatsächlich strafbar machen.

Es ist ein mutiges, im Sinne der Pferde überfälliges Urteil, welches im tiefsten Bayern gesprochen wurde. Die Leitlinien für Pferdehaltung fordern Bewegung und Sozialkontakt. CAVALLO berichtet seit 1996 über artgerechte Ställe, testet Reitschulen auf Koppelgang, prämiert vorbildliche Auslauf- Modelle. Und Forscher entdecken Stück für Stück, warum Pferdehaltung von Grund auf überdacht werden muss: Erst im März erlaubte das Equine Science Meeting an der Universität Regensburg faszinierende Einblicke ins gesellige Wesen der Pferde. Wer diese Studien mit offenen Sinnen hört, liest und sieht, der versteht, warum es keinem Pferd reichen kann, 23 Stunden gegen Ziegelwände zu starren und den Rest der Zeit unter einem Reiter entlang der Holzbande zu arbeiten. Schauen wir, was die nächste Zeit bringt. Es ist höchste Zeit, dass sich was dreht.

Christine Felsinger
Chefredakteurin CAVALLO

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26.04.2012
Autor: Redaktion CAVALLO/Christine Felsinger
© CAVALLO
Ausgabe 05/2012