Medikation: "Progressive Liste" der FEI ist tierschutzwidrig

Der Beschluss des Weltreiterverbandes (FEI), Medikamente für Turniere freizugeben, die bisher als verbotene Substanzen galten, scheint nicht praktikabel. Ein weltweit einheitliches Dopingregelwerk ist damit nicht mehr umsetzbar.

Petition im Netz: Ihre Unterschrift gegen die gegen die Medikamentenfreigabe der FEI

Nachdem der Weltreiterverband FEI vergangene Woche in Kopenhagen Medikamente freigab, die bisher als Doping eingestuft wurden und auf internationalen Turnieren verboten waren, scheint die Chance für einen „sauberen Sport" einmal mehr vergeben.

Neben der Substanz Laktanase, die beim Springpferd Cornet Obolensky von Marco Kutscher 2008 in Hong Kong nachgewiesen wurde, sind jetzt auch die Stoffe wie Finaldine und Phenylbutazon erlaubt. Letzteres wurde in den 1990er Jahren verboten, ist laut neuestem Beschluss der FEI aber mit einer dreifach höheren Dosis wieder zugelassen. Einige Substanzen auf der von der FEI abgesegneten „Progressiven Liste“ gelten in Europa längst als tierschutzwidrig. Daher fällt es schwer zu glauben, dass Vertreter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) der Freigabe dieser Mittel zugestimmt haben sollen.

Wie FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz während des Weltcupturniers German Masters in Stuttgart sagte, sei den Delegierten während der Abstimmung in Kopenhagen irrtümlicherweise ein anderes Papier vorgelegt worden als das von FEI-Präsidentin Haya angekündigte. Für welche Medikationsliste sie ihre Stimme abgaben, scheint den Anwesenden selbst nicht klar gewesen zu sein.

Die FN kündigte durch Präsident Breido Graf zu Rantzau an, gegen den Vorgang rechtlich Einspruch zu erheben. Ob sich die FEI-Spitze wirklich eines solchen Tricks bedient hat, bleibt zu klären. Sicher ist jedoch, dass die mit knapper Mehrheit von den Delegierten in Kopenhagen akzeptierte „Progressive Liste“ einen Rückschritt für den internationalen Reitsport bedeutet. Schweden, Deutschland und England drohen aufgrund der neuesten Entwicklungen mit der Abspaltung von der FEI.

Die jetzt freigegebenen Substanzen sind vor allem Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Das hat zur Folge, dass Pferde, die wenig Zeit für eine Rehabilitation hatten oder noch Schmerzsymptome zeigen, für Turnierstarts fit gespritzt werden können – ohne bei Dopingkontrollen positiv getestet zu werden.

Bei Dopingtests könnte auf internationalen Turnieren zukünftig mit zweierlei Maß gemessen werden: Nationen, die aufgrund ihrer Satzungen strengere Doping- und Tierschutzreglements als die FEI haben, müssten versuchten, den Weg der Gerichtsbarkeit zu gehen und Dopingsünder strafrechtlich zu verfolgen.

Im Kampf gegen die Lockerung der Medikationsbestimmungen im Reitsport schließt die FN einen Boykott der Weltmeisterschaften 2010 in Kentucky nicht aus.

Autor: Karola Bady/Redaktion CAVALLO
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