Praktizierende Tierärzte wenden sich gegen Herabstufung der Anti-Doping-Regeln

CAVALLO Tierarzt für Pferde
Foto: Rädlein
Der Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V. appelliert in einem Offenem Brief an die Deutsche Reiterliche Vereinigung. Darin wird das Verhindern der Herabstufung der Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln durch die FEI gefordert.

Wie erst kürzlich bekannt wurde, beabsichtigt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) in Kürze ihre aktuell geltenden Anti-Doping- und Medikamentenkontrollregeln (ADMR) an die weniger restriktiven Vorschriften der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) anzupassen.

Der Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V. (ppt) hält dies für inakzeptabel und appelliert in einem persönlichen Schreiben des ppt-Präsidenten Dr. Hans-Joachim Götz an den FN-Präsidenten Breido Graf zu Rantzau, auf eine Herabsetzung der ADMR zu verzichten.

Auch wenn das deutsche Tierschutz- und Arzneimittelrecht weiterhin einzuhalten wäre, sind die Veterinäre alarmiert. Besonders durch die legalisierte Anwendung bisher verbotener Substanzen und nicht mehr einzuhaltender Karenzzeiten (d.h. Zeitspanne zwischen der Gabe einer Substanz und einem Turnierstart) seien die Gesundheit und das Wohl der im Wettkampfsport eingesetzten Pferde ernsthaft in Gefahr. Zudem blieben krankheitsbedingte Leistungsschwächen ebenso unbeachtet wie notwendige Zeiten der Rekonvaleszenz.

Nach Auffassung des Tierärzteverbandes würde die FN mit den geplanten Lockerungen auch von den selbst erarbeiteten und weit verbreiteten „Ethischen Grundsätzen“ für den Pferdesport abweichen. Wird darin doch der physischen und psychischen Gesundheit des Pferdes unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung eingeräumt und die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen abgelehnt.

„Das unterstützen wir Tierärzte voll und ganz. Die FN sollte sich selbst treu bleiben und auf eine Herabstufung der ADMR in Anpassung an die FEI-Vorschriften verzichten“, bekräftigt Götz seinen Appell an den Reiterverband.

Zudem rät der Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte der FN angesichts der mutmaßlichen Verstrickung des Ehemanns der FEI-Präsidentin in rund 20 Dopingfälle des Distanzsports der letzten Jahre gut abzuwägen, ob die FN ihre ADMR wirklich an FEI-Regeln anpassen und vor diesem Hintergrund ziemlich sicher in Verruf geraten wolle. Dies sei im Übrigen auch im Zuge einer zunehmend kritischen gesellschaftspolitischen Diskussion um Doping im Leistungssport äußerst kontraproduktiv.

09.09.2014
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO