Weltreiterspiele 2014: Offener Brief im Distanzsport - FEI-Tierärzte klagen an

Waren die Weltreiterspiele zum Wohl der Pferde? In einem offenen Brief wenden sich fünf französische Pferdetierärzte, alle Kenner der Distanzsport-Szene, mit einem kritischen Statement an die Öffentlichkeit. Ihr Fazit: Der Sport steht vor dem Abgrund.

Die Weltreiterspiele 2014 in der Normandie standen aus mancher Perspektive nicht unter dem besten Stern. Starke Regenfälle machten am Wochenende vom 28. August die Strecke der Distanzreiter in Compiègne entlang dem dem Mont Saint Michel, dem Wahrzeichen der Normandie, zu einem Fiasko mit knietiefem Boden.

Von 170 gemeldeten Starterpaaren kamen auf der 160 Kilometer langen Strecke nur 38 ins Ziel. Keines der deutschen Pferd-Reiter-Paare beendete die Prüfung. Der Wallach Dorado der costa-ricanischen Distanzreiterin Claudia Romero Chacon erlag gar seinen Kopfverletzungen, die er sich beim Sturz über eine Wurzel und der Kollision mit einem Baum zuzog. Seine Reiterin kam ins Krankenhaus.

Das vorherige Abfahren der Strecke war vom Veranstalter untersagt worden. Einige Equipe-Chefs forderten vor dem Start der Prüfung eine drastische Entschärfung der Strecke, wurden aber nicht erhört.

In einem offenen Brief wenden sich fünf französische Pferdetierärzte (Dr. Vet. Christophe Pelissier / Dr. Vet. Pierre Romantzoff / Dr. Vet. Antoine Seguin / Dr. Jean-Louis Leclerc / Dr. Vet. Agnès Benamou-Smith ), alle Kenner der Distanzsport-Szene, an die Öffentlichkeit. In diesem Schreiben erklären Sie, dass von Seiten einiger Teilnehmer auf der Strecke des “Hundertmeilers” systematisch versucht wurde, zu betrügen und sich unlautere Vorteile zu verschaffen.

Viele Pferde mussten von den Tierärzten an den Vet-Gates aus dem Wettbewerb genommen werden, weil sie zu hohe Pulswerte hatten und dehydriert waren. Laut der Veterinäre sei dies ein ungewöhnlicher Befund, denn das Wetter am besagten Wettkampfwochenende war mild.

Zudem kritisierten die Veterinäre offen das Handling der Pferde aus den „Group 7“-Staaten (Mittlerer Osten). Die Reiter würden ihre Pferde auf nicht tolerierbare Weise überfordern und die Grenzen deren Leistungsfähigkeit überschreiten.

Dies sei im Sinne des Sports nicht mehr tragbar. Einige der Pferde, die aus dem Wettbewerb genommen wurden, mussten in Kliniken intensiv nachbehandelt werden, um keine langfristigen Schädigungen zu erleiden. Auch die Tatsache, dass einige Reiter wie Jockeys bei den Wettbewerben eingesetzt werden und über das eigentliche Training des jeweiligen Pferds kaum etwas wissen, spreche nicht für ein qualitatives Management der Pferde in diesem Sport.

Die Veterinäre fordern zudem nicht nur Dopingkontrollen im Wettbewerb sondern auch im Training. Die Tierärzte appellierten auch an die FEI, diese solle nicht nur sauberen Sport fordern, sondern auch die Regeln dafür schaffen. Anderen Falls steuere der Distanzsport dem Abgrund entgegen.

Quelle: Magazin Horse & Hound: French endurance vets’ open letter

13.09.2014
Autor: Redaktion CAVALLO / Horse & Hound
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