Dressur-Legende Michel Henriquet gestorben

Dressur-Legende Michel Henriquet, der feines Reiten in den Sport brachte und ständig auf der Suche nach neuen Ideen war, ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Fotostrecke: Porträt: Zu Besuch bei Michel Henriquet

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CAVALLO Michel Henriquet Richard Hinrichs Foto: Rädlein
CAVALLO Michel Henriquet Richard Hinrichs Foto: Rädlein
CAVALLO Michel Henriquet Richard Hinrichs Foto: Rädlein

Michel Henriquet gilt als einer der wichtigsten französischen Ausbilder für klassische Dressur und hat in seiner Heimat Frankreich einen ähnlichen Rang wie hierzulande der 2004 verstorbene Reitmeister Egon von Neindorff.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Catherine bildete Michel Henriquet Reiter und Pferde bis Grand Prix aus. Doch nicht nur die Pferde liebten den kleinen weißhaarigen Mann mit den lebhaften grauen Augen. Auch viele namhafte Reiter bewunderten ihn.

Darunter auch Richard Hinrichs. Fragt man den deutschen Klassik-Könner nach seinen Vorbildern, fällt der Name Henriquet. Hinrichs schwärmte so vom Können des Franzosen, dass CAVALLO im Jahr 2011 mit ihm nach Frankreich reiste, um die Beiden beim Training auf dem bei Paris gelegenen Hof „Les Écuries de la Panetière“ zu beobachten.

40 Jahre alt war Michel Henriquet, der als kaufmännischer Leiter einer Getreidemühle sein Geld verdiente und als Hobby-Vielseitigkeitsreiter im Sattel saß, als er 1964 einen Baucher-Anhänger traf. Dessen Reiterei gefiel ihm. Dieser Lehrer eröffnete Michel Henriquet den Zugang zur klassischen Reitliteratur und den Methoden der alten Meister.

Michel Henriquet nahm Unterricht und begeisterte sich immer mehr für die klassische Dressur. Auf der Suche nach den dazu passenden Pferden traf er Mitte der 1960-er Jahre in Portugal den fast gleichaltrigen, kaum bekannten Ausbilder Nuno Oliveira. 30 Jahre lang - bis zum Tod des Reitmeisters 1989 - reiste Henriquet regelmäßig mit seinen Pferden nach Portugal.

Außerdem holte er seinen Lehrer nach Frankreich, wo dessen internationale Karriere dann richtig begann. Seit 1968 schreibt Michel Henriquet zudem Bücher und Artikel über die klassische Reitkunst.

Richard Hinrichs sagt im CAVALLO Artikel aus dem Mai 2011: "Michel Henriquet hat mein ganzes reiterliches Leben geprägt. Als Schüler las ich sein 1968 veröffentlichtes, erstes Buch „À la recherche de l’Équitation“. Das weckte mein Interesse für Nuno Oliveira und machte mich - ganz nebenbei - auch noch zum Klassenbesten in Französisch. 1978, beim Salon du Cheval in Paris, lernte ich Michel Henriquet persönlich kennen, als er etliche Reiter zu sich nach Hause einlud. Seine Neugier und Diskussionsfreude haben bei mir viel angestoßen, er hat mich zum Nachdenken gebracht und ermuntert, kreativ zu werden. Vor allem, indem er sich offen von herrschenden Meinungen distanzierte. Das ermutigte mich, ebenfalls kontroverse Positionen zu beziehen."

04.12.2014
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO