Monica Theodorescu im Interview: „Pferde gehen nicht in einer Schablone"

Monica Theodorescu, Bundestrainerin der Dressurreiter, äußert sich im Interview zur Rollkur-Debatte um Isabell Werth. Beim Turnier in Münster im Januar wurde diese vom WDR gefilmt. Im TV-Beitrag ging es im Kern um das Rollkurreiten, das seit 2013 laut geltender Richtlinien von Richtern am Abreiteplatz gestoppt werden soll.

 

CAVALLO Bundestrainerin Monica Theodorescu
Foto: Rädlein Bundestrainerin Monica Theodorescu mit Redakteurin Alena Brandt im Video-Interview.

CAVALLO: Isabell Werth heizt derzeit die Rollkur-Debatte an. In einem TV-Beitrag sieht man sie auf einem Turnier minutenlang in enger Haltung reiten. Was sagen Sie dazu?

Theodorescu: Ich war nicht auf dem Turnier, habe aber den Beitrag gesehen und finde, dass er nicht gut gemacht ist. Es ist ein Zusammenschnitt von einzelnen Phasen. Manche Reiter, wie auch Isabell Werth, gymnastizieren ihre Pferde eher in die Tiefe, um den Rücken zu lockern. Da ist für mich absolut nichts Verwerfliches dran. Das Pferd war noch jung und angespannt. Auf dem Abreiteplatz war viel los. Ich kann da jetzt nichts von einer erzwungenen Haltung des Pferds erkennen.

CAVALLO: Wo beginnt für Sie dann Rollkur-Reiten?

Theodorescu: Für mich ist grundsätzlich aggressives Reiten schlecht und hat bei uns nichts zu suchen. Ob in die Tiefe oder nach oben: Auch bei Letzterem kann man Bilder bekommen, die schrecklich aussehen. Wichtig ist: Pferde werden gymnastiziert und gehen nicht immer wie in einer Schablone. Mal rollen sie sich ein bisschen auf, machen sich frei oder gucken erschreckt. Sie sind Lebewesen. Aber mit Zwang geht gar nichts. Den will ich nicht sehen. Ausbildung erarbeitet man Schritt für Schritt.

CAVALLO: Und was sagen Sie zum Doping-Verdacht bei Werth und Pferd El Santo?

Theodorescu: Ich weiß nur, dass es sich um einen Medikationsfehler handeln soll. Das Verfahren ist im Gang, deshalb kann ich dazu jetzt gar nichts sagen.

CAVALLO: Wie sollten sich die Dressurreiter präsentieren, damit der Sport irgendwann auch mal wieder eine Vorbildfunktion für junge Reiter hat?

Theodorescu: Ich denke im letzten Jahr, beispielsweise bei Olympia in London, haben unsere Reiterinnen ein tolles Bild abgegeben und sind sehr schön geritten. Sie haben ihre Pferde gut vorbereitet und insgesamt auch ein positives Auftreten gehabt.

Fazit: Wird‘s jetzt eng für Werth?

Isabell Werth ritt ihre Pferde schon vor dem Fernsehbeitrag des WDR auf Abreiteplätzen bei Turnieren in Rollkur-Manier, wie CAVALLO dokumentierte. Die Tierschutzorganisation Peta erstattete nun Anzeige gegen die Reiterin. Sie steht auch unter Verdacht, ihrem Pferd El Santo das verbotene Medikament Cimetidin verabreicht zu haben. Werth sagt, sie könne sich den Befund nicht erklären. Das Verfahren läuft. Der Reiterin droht eine Sperre.

Doping im Spitzensport – Was denken Sie darüber? Diskutieren Sie mit im CAVALLO Forum!

Video-Interview: Bundestrainerin Monica Theodorescu zu Vorwürfen gegen Isabell Werth

Die Bundestrainerin der Dressurreiter, Monica Theodorescu, war zu Gast auf dem Leonberger Pferdemarkt. Im Video-Interview beantwortet sie die Fragen der CAVALLO-Redaktion. Auch zum Vorwurf des Rollkursreitens und dem Medikations-Fall um Isabell Werth.

Zur Darstellung des Videos benötigen Sie aktiviertes JavaScript sowie den Adobe Flash-Player.

Video: Isabell Werth Rollkur - Diskussion neuer Richtlinien

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat in Warendorf die neuen Richtlinien vorgestellt, die ab dem 1. Januar 2013 gelten. Der Bundesverband positioniert sich drin gegen das Rollkurreiten. Im WDR-Beitrag kommen Pferdeexperten, Ausbilder und Turnierrichert zu Wort. Auch die Rollkur-Debatte um Isabell Werth wird im Beitrag erneut diskutiert. Warum die neuen Richtlinien für Reiten und Fahren jetzt auch für Geländereiter ein wichtiger Ratgeber sind, erfahren Sie in einem ausfürhlichen Artikel in der Ausgabe CAVALLO März 2013 - bestellbar unter CAVALLO Shop




Video: Rollkur-Debatte im Internet - Isabell Werth in der Kritik

Dressurreiterin Isabell Werth steht in der Kritik: Bei einem Reitturnier in Münster Ende Januar wurde sie vom WDR gefilmt. In der WDR-Sendung "Lokalzeit Münsterland" ging es im Kern um das Rollkurreiten, das seit Januar 2013 laut entsprechender Richtlinien auf Turnieren von Richtern am Abreiteplatz gestoppt werden soll. Ob dies so ist, wollte das WDR-Team in Erfahrung bringen. Im Beitrag werden sie und Dressurtrainer Jonny Hilberath zu den TV-Bildern befragt, die Rollkur-Sequenzen beinhalten. Auch Vielseitigkeitsreiterin und Olympiasiegerin Ingrid Klimke wird zu den Geschehnissen befragt. Sie sagt im Beitrag: "Ich finde das gut, so wird den Reitern bewusst, dass sie in der Öffentlichkeit sind... und viele Zuschauer haben, die auch immer kritischer werden... und dass wir das heute nicht mehr sehen wollen".




13.02.2013
Autor: Redaktion CAVALLO / Alena Brandt
© CAVALLO