Turniere: Veranstalter sollen entlastet werden

CAVALLO Dressurreiten Galopp
Foto: Rädlein
Ein Reitturnier zu veranstalten kostet Geld. Im Jahr 2014 gab es rund 3.500 Reitturniere in Deutschland. Mit einem Maßnahmenkatalog möchte die FN die Vereine unterstützen und finanziell entlasten.

Aufgrund der Entwicklung, dass ländliche Turniere aber auch Championate wie Landesmeisterschaften entfallen müssen, da die finanziellen Mittel der Organisatoren oft nicht mehr ausreichen, wird die FN zusammen mit den Landespferdesportverbänden die Veranstalter ab 2015 entlasten: Die Veranstalterbeiträge zur Züchter-Prämie werden gesenkt, es besteht die Möglichkeit, den Organisationskostenanteil der Turnierteilnehmer auf bis zu acht Euro zu erhöhen, die sogenannte Infrastrukturabgabe entfällt, um den Veranstaltern unter die Arme zu greifen.

Warum sich Vereine dafür entscheiden Reitturniere zu veranstalten, begründeten sie in einer 2012 von der FN initiierten Veranstalterumfrage vor allem mit der „Förderung des Turniersports“ (64 Prozent), vielfach speziell der Jugendförderung, sowie „die Außendarstellung des Vereins“ (57 Prozent).

Beinahe die Hälfte (47 Prozent) möchte damit ein Angebot für seine Vereinsmitglieder schaffen und in 42 Prozent der Fälle gehört das eigene Turnier einfach zur Tradition. Nur knapp ein Drittel (32,8 Prozent) nennt „Verdienstzwecke“ als Grund für das Turnier. Stellt man jedoch die Frage „Woran machen Sie persönlich fest, ob Ihr Turnier gut und erfolgreich war?“, sind es fast doppelt so viele.

Dennoch agiert schätzungsweise nur ein Drittel der insgesamt 7.681 Vereine auch als Turnierausrichter, denn manche sind mehrmals im Jahr Gastgeber für andere Pferdesportler. Den weitaus größten Teil der Veranstaltungen machen gemischte WBO/LPO-Veranstaltungen aus, wobei in der Regel zwischen elf und 30 Prüfungen und Wettbewerbe angeboten werden.

Turniere mittel- oder langfristig in Gefahr

Für 61,2 Prozent der Umfrageteilnehmer kommt der wirtschaftliche Erfolg gleich nach der positiven Rückmeldung der Teilnehmer (89,5) und der guten Resonanz und Stimmung bei den Helfern (64,4). Noch scheint es weitgehend mit der „schwarzen Null“ zu klappen, auch wenn allein in diesem Jahr die Zahl der angemeldeten Turniere in Deutschland um ein Prozent zurückging. Insgesamt gaben 52 Prozent der Umfrageteilnehmer an, die Zukunft ihres Turniers mittel- und langfristig in Gefahr zu sehen.

Als Hauptgrund identifiziert fast die Hälfte der betroffenen Veranstalter die nachlassende Bereitschaft ihrer Mitglieder, aktiv oder finanziell zum Gelingen des Turniers beizutragen. Dies deckt sich mit den Aussagen im Sportentwicklungsbericht 2011 (SEB), in dem die Bindung und Gewinnung ehrenamtlicher Funktionsträger die Liste der Existenz bedrohenden Probleme der Vereine anführt. In der FN-Veranstalterumfrage äußert sich diese Tendenz in Klagen wie „ehrenamtliche Helfer fehlen“. Auch scheint die Verantwortung für ein Turnier immer häufiger auf einigen wenigen Schultern zu ruhen, wie es dieser Umfrageteilnehmer beschreibt: „Die Organisation im Vorfeld bzw. Durchsetzung verschiedener Maßnahmen liegt in den Händen von wenigen."

Sponsoren dringend gesucht

Den Vereinen fällt es immer schwerer, die nicht durch Nenngelder gedeckten Kosten durch Einnahmen aus Sponsoring, Spenden oder einem florierenden Bewirtungszelt auszugleichen. Speziell die Gewinnung von Sponsoren wird zunehmend als problematisch angesehen. 81,2 Prozent der befragten Veranstalter wünschen sich in diesem Bereich Hilfestellung und Beratung, für die Hälfte steht dieser Wunsch sogar an erster Stelle. Umgekehrt ist allerdings festzustellen, dass Aspekte wie eine positive Berichterstattung in der Presse (15,4 %), eine positive Rückmeldung der Sponsoren (23,6 %) und hohe Zuschauerzahlen (34,7 %) bei der persönlichen Beurteilung, ob ein Turnier ein Erfolg war, nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Finanzierung und Kostendeckung eines Turniers wird für viele Vereine also immer mehr zum Kraftakt. Neben Helfer- und Sponsorenmangel sorgen auch die „wachsenden Ansprüche der Reiter“ und die ständig zunehmenden „Auflagen, Nebenkosten und Gebühren“ bei Turnierveranstaltern für Verdruss. „Speziell die ‚Gebühren‘ werden als lästig empfunden, da sie in Umfang und Höhe nicht selbstbestimmt sind und ihr Nutzen nicht unmittelbar zu erkennen ist“, zeigt Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport, Verständnis für die Veranstalter.

Während man dem Hufschmied vor Ort live beim Beschlagen zusehen kann, findet die Arbeit von FN und LV eher im Verborgenen statt. „Aber stellen Sie sich einfach mal vor, Sie wollten ein Reitsportevent ausschreiben und hätten plötzlich keine LPO, keine geschulten Richter und Turnierfachleute, kein allgemein bekanntes Nennungssystem, keine registrierten Reiter und Pferde und damit z.B. auch kein Leistungsklassensystem mehr." Und auch nicht die Ausschreibung aus dem Vorjahr. Für viele Veranstalter wäre aber genau das fatal, denn zum überwiegenden Teil (95 %) orientiert sich das aktuelle Prüfungsangebot an den Erfahrungen des Vorjahres.

Gastronomie und Reitböden entscheidend

So groß die Unzufriedenheit über die steigenden Kosten ist, so hoch ist umgekehrt die Zufriedenheit mit der eigenen Leistung. Verpflegung und Ambiente, Ausschreibung, Zeitplan und Bodenbeschaffenheit der Turniere haben nach eigenem Dafürhalten das Attribut „gut“ und besser verdient. Knapp die Hälfte (49,2 %) schätzt ihre Gastronomie sogar als sehr gut an, im Falle der Böden ist dies immerhin ein gutes Viertel (26,6 %).

26.11.2014
Autor: Redaktion CAVALLO / FN press
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