Zucht: Signal für den Erhalt des Schenkelbrands

Derzeit scheint es so, als dürften Fohlen auch weiterhin mit dem Schenkelbrand gekennzeichnet werden. Ein künftiges Verbot des Schenkelbrands scheint unwahrscheinlich.

 

CAVALLO Schenkelbrand
Foto: Bivignano Umstritten: Brandzeichen bei Pferden.

Gegenüber der Presse sagte die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan, in der Koalition sei vereinbart worden, „dass das Setzen des Brandzeichens möglich bleiben wird – ein Verbot ist vom Tisch".

Der Berichterstatter der Union für das neue Tierschutzgesetz, Dieter Stier (CDU), bestätigte, dass der Schenkelbrand auch weiterhin zugelassen bleibe. Er halte es für falsch, den Schenkelbrand bei Pferden zu verbieten. Dieser Auffassung seien auch die Fachpolitiker der Union und die überwiegende Zahl der Abgeordneten von CDU und CSU. Diese Aussage könnte darauf hindeuten, dass der Schenkelbrand beispielsweise bei entsprechender lokaler Betäubung angewendet werden darf. Wie die neue Regelung konkret aussehen soll, ist bislang aber nicht bekannt. Der endgültige Beschluss des Bundestages wird frühestens Ende November erwartet.

Experten-Anhörung vor Ausschuss

Vorausgegangen war unter anderem eine Experten-Anhörung vor dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin. Thema dieser dreistündigen öffentlichen Sitzung war die Änderung des Tierschutzgesetzes, in der der Schenkelbrand nicht länger erlaubt sein soll. Acht Sachverständige gaben ihre Einschätzungen ab und wurden anschließend von den Abgeordneten befragt.

Der Deutsche Bundesrat hatte im Oktober 2010 die Bundesregierung aufgefordert, den Schenkelbrand bei Pferden zu verbieten. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte daraufhin den Gesetzesentwurf zum Tierschutzgesetz entsprechend geändert und am geplanten Verbot des Schenkelbrands festgehalten – trotz Gegenwind der deutschen Pfedezüchter und der FN-Abteilung Zucht. Selbst Unterschriftenlisten und Petitionen hatten nichts ändern können.

Bewegung in die Diskussion um den Schenkelbrand brachte das Anfang 2012 von der Landesregierung Schleswig-Holstein vorgelegtes Gutachten von Prof. Dr. Urs Schatzmann, aus dem hervorging, dass die Kennzeichnung durch den Schenkelbrand für Fohlen zu keinen größeren messbaren Belastungen führe als die Injektion eines Transponders (Chips).

Zudem stellte der Dermatologe Prof. Dr. Volker Steinkraus 2012 seine feingeweblichen Untersuchungsergebnisse dar und stellte fest, dass der Schenkelbrand artgerecht ist. Die äußere Haut von Säugetieren sei evolutionsbedingt auf Verletzungen vorbereitet. Aus wissenschaftlicher Sicht sei der Heißbrand als komplikationsfreie und artgerechte Kennzeichnungsmethode zu bewerten. Ferner verdeutlichte er, dass es sich nicht wie vielfach behauptet, um eine Verbrennung dritten Grades handelt. Er führte aus: „Die örtliche Verbrennung zweiten Grades führt zu der oberflächlichen Narbe ohne nennenswerte Beeinträchtigung der darunter liegenden Gewebsschichten, somit bleibt die Gesundheit des Pferdes dadurch lebenslang unbeeinträchtigt.“

Auch der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Helmut Born sprach sich für den Erhalt des Schenkelbrandes aus. Seiner Ansicht nach würde das Setzen des Brandzeichens nicht mehr Stress bei Fohlen verursachen als das sogenannte Chippen. Stattdessen forderte er, alternativ zum Chippen den Schenkelbrand weiterhin zu erlauben, wie es auch das EU-Recht vorsehe.

(Quelle: FN)

Fotostrecke: Fotostrecke: Kiger Mustangs aus den USA

6 Bilder
CAVALLO Kiger Mustangs Foto: Kruse-Völkers_privat
CAVALLO Kiger Mustangs Foto: Kruse-Völkers_privat
CAVALLO Kiger Mustangs Foto: Kruse-Völkers_privat
02.11.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 11/2012