Dressurreiter: Bundestrainer kritisiert Matthias Rath für Abreiten von Totilas - plus Video


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CAVALLO Totilas
Foto: Maier

Matthias Rath auf dem Abreiteplatz in Hagen.

Widersprüchlicher hätte das Comeback von Dressurhengst Totilas nicht sein können: Seine Leistungen im Viereck wurden mit Höchstnoten bedacht. Aber die Reitweise von Matthias Rath wurde scharf kritisiert - auch vom Bundestrainer.

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Schon während des Turniers "Horses & Dreams" auf dem Hof des Dressurpferdezüchters Ullrich Kasselmann soll Bundestrainer Jonny Hilberath die Abreitemethoden von Matthias Rath scharf kritisiert haben.

In einem Bericht in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch) bestätigte die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) diesen Vorgang. Matthias Rath zog sich bei den Vorbereitungen auf seine erste Grand Prix Prüfung, nach einer achtmonatigen Turnierpause, auf den eher abseits liegenden Abreiteplatz zurück. Mit dem, was Zuschauer und Medienvertreter dort zu sehen bekamen, handelte sich Rath zurecht den Vorwurf ein, sein Pferd in "Rollkur"-Manier zu reiten. Obwohl er dem Pferd immer wieder Pausen gönnte, war die Halsung des Pferds in vielen Momenten zu eng. Insgesamt wirkte das Paar in der Vorbereitungsphase wenig harmonisch.

In den Prüfungen selbst hagelte es Höchstnoten: 83,809 Prozent erreichte Matthias Rath mit Totilas im Gran Prix Dressage und ganze 88,025 Prozent gaben die Richter für die Dressur-Kür zur Songs wie "Beat it" von Michael Jackson.

Neben Reitsport- und Pferdefreunden kritisierte auch der Deutsche Tierschutzbund diese offensichtliche Anwendung der Rollkur (Hyperfleion). Wie die FN mitteilte habe Matthias Rath nach der Zurechtweisung durch den Bundestrainer Besserung gelobt. Die Kritik am Reitstil von Matthias Rath, die auch in der Pressekonferenz nach seinem Sieg im Grand Prix Dressage laut wurde, kommentierte der Vater und Trainer: "Wenn man so ein Pferd übernimmt, versucht man erst, es in der eigenen Reitweise zu arbeiten, merkt aber schnell, dass dies nicht so einfach funktioniert", sagte Klaus-Martin Rath. "Totilas ist in einem anderen System großgeworden. Er wurde über sechs Jahre so ausgebildet und trainiert, dass kann man nicht einfach umstellen."

Die Bilder von Totilas aus Hagen stehen jedoch im krassen Widerspruch zur früheren Geisteshaltung von Raths Familie um Stiefmutter Ann Katrin Linsenhoff, die die Rollkur bisher vehement abgelehnt hatte. Mit der Idee, nach den olympischen Spielen den niederländischen Trainer Sjef Janssen für Matthias Rath zu engagieren, scheint der Abschied von der klassischen deutschen Reitlehre als Trainigsmethode nahe.

Im Internet gibt es bereits eine Online-Petition, die die Frage stellt: "Wann gibt es endlich wieder schönes Reiten zu sehen?". Darin attakieren Rollkur-Gegner die FN-Funktionäre, Richter und den Berufsreiterverband. Der Vorwurf: In den Dressurprüfungen in Hagen, besonders durch die beiden Siege von Totilas sei einmal mehr gezeigt worden, dass "Ritte als beispielhaft honoriert werden, die mit mechanisierten Pferden ohne jede Losgelassenheit" dargeboten wurden. Die Liste wurde bis dato von mehr als 500 Mal unterschrieben.

Videos zum Auftritt von Totilas in Hagen:

Video: Totilas im Grand Prix Dressage
Video: "Totilas ist auch Deckhengst"
Video: Die Totilas-Days in Hagen




Autor: Redaktion CAVALLO
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Ausgabe 05/2012