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Totilas-Musik von Paul van Dyk: "Es ist ein erhebendes Gefühl"
Der weltweit erfolgreiche DJ Paul van Dyk hat die Kürmusik für Matthias Rath und Totilas komponiert. Was ihn dabei inspirierte, verrät er im Interview mit CAVALLO.
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Mit Dressurreiten oder gar klassischer Musik hat der Berliner Paul van Dyk wenig im Sinn - so könnte man glauben. Aber der Diskjockey - kurz DJ, der 1971 als Matthias Paul in Eisenhüttenstadt geboren und kurz vor dem Fall der Mauer nach Hamburg ausgereist war, besitzt inzwischen selbst Pferde, die im internationalen Dressursport laufen. Paul van Dyk wurde 2005 und 2006 zum besten DJ der Welt gewählt, komponiert, spielt und produziert Musik der Genres Trance, Progressive Trance, Electronic Dance und Techno, er selbst spricht von "elektronischer Tanzmusik". 2004 hat er für seine Arbeit einen Grammy bekommen, den "Oscar" der Musik. Jetzt hat er die Kür-Musik für das derzeit erfolgreichste Dressurpferd der Welt komponiert - und zwar durchaus klassisch.
CAVALLO: Sie sind einer der erfolgreichsten DJs und Produzenten im Bereich elektronischer Musik. Wie kam es zum Kontakt mit dem Team von Totilas und wie entstand die Idee, die Kür-Musik für das derzeit teuerste Dressurpferd der Welt zu komponieren?
Paul van Dyk: Wir besitzen selbst Dressurpferde, die auf dem Hof der Familie Kasselmann in Hagen untergebracht sind und lieben diese Disziplin. Im Dezember letzten Jahres ist die Idee entstanden, für Totilas eine Kür-Musik zu entwickeln. Matthias Rath und sein Team haben wir seither immer wieder getroffen und die Ausarbeitung der Musik verfeinert.
CAVALLO: Wie können wir uns diese Zusammenarbeit vorstellen?
Paul van Dyk: Das Trainingsprogramm, das Matthias und Totilas absolvieren müssen, ist hart. Da blieb wenig Zeit. Aber Matthias kam einige Male nach Berlin zu mir ins Studio und hörte sich die einzelnen Passagen an. Es gefiel ihm auf Anhieb gut.
CAVALLO: Haben Sie Totilas schon live erlebt, um Musik und Pferd aufeinander abzustimmen?
Paul van Dyk: Ich konnte ihn noch nie live in einer Prüfung erleben, weil ich selbst sehr viel unterwegs bin. Aber wir waren mehrfach in Mühlen, wo Totilas den Beginn des Jahres verbracht hat. Dort habe ich Totilas im Training gesehen und seine Bewegungsabläufe genau studiert und gefilmt. So konnten wir die Musik auf Totilas zuschneiden und seine Stärken hervorheben.
CAVALLO: Die fertige Kür-Musik ist deutlich weniger vom Genre der elektronischen Tanzmusik geprägt aus dem Sie kommen, als das zu erwarten gewesen wäre. Warum?
Paul van Dyk: Ich hatte beim Entwurf der Musik komplett freie Hand. Wir wollten die Musik aber von Anfang an im Bereich der Klassik ansiedeln, weil das der Dressur und Totilas gerecht wird. Der Hengst füllt den Spannungsbogen klassischer Melodien wunderbar aus. Kurze Beats wie in der elektronischen Tanzmusik wären seinem Bewegungsablauf weniger gerecht geworden.
CAVALLO: Totilas begeistert die Pferdewelt - was finden Sie aus der Sicht des Musikers an diesem Pferd faszinierend?
Paul van Dyk: Die Galopp-Pirouetten oder Trabverstärkungen zeigt Totilas in einzigartiger Weise. Es ist ein erhebendes Gefühl, dieses Energiebündel unter seinem Reiter zu erleben. Und das meine ich nicht pathetisch. Es berührt mich einfach. Für mich als Musiker sind die taktreinen Bewegungen von Totilas der Punkt, an dem sich Parallelen zwischen Pferd und Musik finden lassen, die mich zu dieser Arbeit inspiriert haben.
CAVALLO: Wird die Kür und die Musik für kommende Championate noch einmal verändert?
Paul van Dyk: Das ist gut möglich. Die Kür selbst, wie auch die zugehörige Musik, sind in einem lebendigen Prozess entstanden und werden, wenn nötig, auch auf künftige Bedürfnisse angepasst. Jetzt stehen für Totilas und Matthias aber noch einige wichtige Turniere wie Aachen oder auch die Europameisterschaften an. Es bleibt also spannend.
Hintergund - Zur Person:
Paul van Dyk gilt als einer der erfolgreichsten DJs und Produzenten der Elektro-Szene weltweit. Er hat zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise erhalten. Zusammen mit seiner Frau lebt der Globetrotter in Berlin und betreibt dort sein eigenes Musiklabel „VANDIT Records". Beide lieben den Dressursport und besitzen selbst Pferde, die auf dem Hof Kasselmann in Hagen trainiert werden. Aktuell arbeitet Paul van Dyk an seinem neuen Album „EVOLUTION“, das im Herbst erscheinen wird.
Hörprobe: Hier einen Ausschnitt der Totilas-Kürmusik hören



