Tierquäler steht vor Gericht: Geht eine ganze Serie auf sein Konto?

In der Nähe von Hamburg stand jetzt ein Pferderipper vor Gericht, der Pferde sexuell missbrauchte und quälte. Mehrere Tiere starben an den Folgen. Er wurde im Januar 2015 auf frischer Tat ertappt. Dafür soll er jetzt ein Jahr auf Bewährung bekommen haben.

 

Auf abgelegenen Weiden haben Pferderipper leichtes Spiel.
Foto: Rädlein Auf abgelegenen Weiden haben Pferderipper leichtes Spiel.

Jahrelang wunderte sich Pferdebesitzerin Dina Warnecke aus der Nähe von Harburg bei Hamburg, warum ihre Pferde immer wieder Verletzung hatten, die sie sich nicht erklären konnte. Hämatome am ganzen Körper oder Schnitte, die sie zunächst auf Weideverletzungen zurückführte. Bis sich ihr Verdacht immer mehr erhärtete, dass sich jemand an den Pferden zu schaffen machte. „Wir konnten es uns lange nicht erklären, warum sich unsere Pferde immer seltsamer verhielten“, sagt sie im Gespräch mit CAVALLO und möchte Pferdebesitzer und Tierärzte dafür sensibilisieren, Verletzungen richtig zu deuten. „Unsere Pferde ließen sich plötzlich nicht mehr anbinden, nicht mehr gerne anfassen und putzen, und unsere Stuten waren dauerrossig“, sagt Dina Warnecke. „Jemand fütterte in der Nacht Karotten und der Wassertrog wurde ständig ausgeleert.“ Später war ihr klar, warum: Der Mann stellte sich auf den Bottich, um besser an die Pferde heranzukommen. Sie selbst verlor in dieser Zeit zwei Pferde, die wegen innerer Verletzungen eingeschläfert werden mussten. Ein weiteres Pferd ist seither psychisch so durch den Wind, dass sie es an einen anderen Ort brachte.

Als im Jahr 2014 immer mehr Pferde in der Gegend verletzt wurden, legten sich die Pferdebesitzer auf die Lauer und installierten Kameras. Mit Erfolg - im Januar 2015 wurde der Täter auf frischer Tat ertappt und konnte überführt werden. Zunächst soll er 23 Fälle gestanden haben, später zog er sein Geständnis wieder zurück, wie die Hamburger Morgenpost berichtete. Rund 400 Pferde könnte der junge Mann die letzten acht Jahre missbraucht haben. Jetzt sind es sieben Fälle, die ihm laut Lokalzeitungen zur Last gelegt wurden. Er leidet angeblich unter einer psychischen Störung und wuchs im Heim auf. Menschen wie er gelten als Zoosadisten (Menschen, die Tiere missbrauchen und dabei verletzen) und sind oft in Internetforen angemeldet, wo sie sich mit ihren Taten brüsten.

Welche Strafe auf den Pferderipper zukommt, wird nicht öffentlich gemacht. Weil der Täter zum Zeitpunkt der ersten Tat 17 Jahre alt war, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auf Anfrage von CAVALLO gab das Amtsgericht in Tostedt keine nähere Auskunft. Bei einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz droht Tätern eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe bis 25.000 Euro. Eine sexuelle Handlung mit Tieren gilt als eine Ordnungswidrigkeit und ist kein Verbrechen. Nach Informationen, die CAVALLO zugespielt wurden, soll der Pferderipper aus Harburg ein Jahr auf Bewährung bekommen haben.

Fotostrecke: Totes Pony - Pferderipperin tötet erneut

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CAVALLO Pferderipper Missbrauch Mario Foto: Deborah Frick_privat
CAVALLO Pferderipper Missbrauch Mario Foto: Deborah Frick_privat
CAVALLO Pferderipper Missbrauch Mario Foto: Deborah Frick_privat
28.02.2017
Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO