Sommerekzem & Co: Hautkrankheiten bei Pferden

Allergisch gegen Pferdefell?

Ein Fettfilm und ein Haufen toter Hornzellen – das ist kurz erklärt die Pferdehaut. Sie schützt vor Witterung und Parasiten und leistet einiges. Wie entstehen Krankheiten wie das Sommerekzem, welche Gefahr stellen Bakterien, Viren und Pilzen dar?

 

CAVALLO Curly Horses
Foto: Daniela Söhnchen Curlys haben extrem gelocktes Fell.

Daß sich das Pferd manchmal gegen seine eigene Haut wehrt, ist eine neue Erkenntnis. Längst bekannt ist dagegen, daß Pferdehaut manche Menschen zum Weinen bringt. Solche Allergiker reagieren sofort mit Augenbrennen, Triefnase und roten Quaddeln. „Man fand drei Eiweiß-Typen beim Pferd, die Allergien auslösen“, sagt Dr. Frank Jugert, der dieses Leiden derzeit an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen erforscht. „Sie stecken aber nicht, wie viele glauben, in den Haaren, sondern in den Hautschuppen.“ Dabei haben Pferde-Allergiker noch Glück im Unglück. „Während Katzen-Allergiker noch im 4. Stock niesen, wenn im Erdgeschoß eine Katze das Haus verläßt, sind Pferde-Allergene meist lokal beschränkt“, tröstet Dr. Jugert. Weil Hautschuppen vom Pferd allerdings an Reithosen und Pullovern haften bleiben, rät er Pferde-Allergikern zum Kleiderwechsel noch im Stall oder im häuslichen Keller. „Damit lassen sich die Beschwerden lindern“, weiß Dr. Jugert aus Gesprächen mit seinen 70 Versuchspersonen. „Manche müssen sich beim Bürsten ihrer Pferde aber sogar mit Staubschutzmasken vor dem Anflug der Schuppen schützen.“ Ihnen könnte geholfen werden – wenn das Aachener Team endlich grünes Licht von der Ethikkommission der Hochschule bekäme.

„Wir wollen untersuchen, ob die Allergiker auf alle Pferderassen gleich reagieren.“ Doch dazu muß man ihnen Blut entnehmen, und das erlaubten die Ethiker bisher nicht. Seit einem Jahr liegt das Vorhaben deshalb auf Eis, das unter anderem das Geheimnis der gelockten Curlys lösen könnte. Erfahrungen zeigen, daß bei Kontakt mit Lockenpferden selbst Allergikeraugen trockenbleiben. „Könnte sein, daß das an der fettigen Curlyhaut liegt, die weniger schuppt“, spekuliert Dr. Jugert und verweist auf das Gefühl beim Streicheln eines Curlys. „Die Hände fühlen sich an wie eingecremt.“ Warum Curlyhaut soviel Talg produziert, weiß bisher keiner. Vielleicht hängt es mit den Locken zusammen, hinter denen der Anatomie-Professor Meyer eine Panne im Erbprogramm des Bindegewebes vermutet.

Normalerweise stülpen sich Fibroblasten, Vorläufer der Bindegewebszellen, während der Embryonalentwicklung in die Haut und formen später die Haarpapille, auf der das Haar sitzt wie ein Zapfen – umhüllt vom normalerweise runden Follikel, der das Haar in der Haut hält. „Werden die Fibroblasten nicht gleichmäßig aktiviert, teilen sie sich unterschiedlich schnell. Das verformt den Follikel oval.“ Curly-Haare zwirbeln sich dadurch und schlagen Wellen.

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Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners

11.07.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2000