Sommerekzem & Co: Hautkrankheiten bei Pferden

Alopezie: Großflächiger Haarausfall bei Pferden

Ein Fettfilm und ein Haufen toter Hornzellen – das ist kurz erklärt die Pferdehaut. Sie schützt vor Witterung und Parasiten und leistet einiges. Wie entstehen Krankheiten wie das Sommerekzem, welche Gefahr stellen Bakterien, Viren und Pilzen dar?

 

CAVALLO Pferdehaut Sommerekzem
Foto: Rädlein Bei diesem Pferd ist der Haarausfall auf eine Pilzinfektion zurückzuführen.

Was aber, wenn die Haut leidet, ohne daß Warzen sprießen oder ein Corpus delicti schmierig grün wie bei einer fortgeschrittenen Dermatophilose auf den Schuldigen hinweist? Was, wenn auf den abgezupften Haaren unterm Mikroskop keine Milben krabbeln und in Labor-Kulturen weder Bakterien noch Pilze wachsen? Der grauen Araber-Stute Daisy gingen vor sechs Monaten plötzlich an Hintern und Hals büschelweise Haare aus. Die Haut darunter war heil, Daisy schubbelte sich nicht und war munter wie immer. Dann wuchsen über die nackten Stellen störrische weiße Haare, die beim Putzen wie Schnee zu Boden schwebten. Auch im Fall Daisy tippte der Tierarzt zunächst auf Pilze und verschrieb Salben. Nach fruchtlosen Labortests lautet die Diagnose schlicht Alopezie – ein Kahlschlag unbekannter Ursache, der zwar häßlich aussieht, Pferde aber überhaupt nicht kratzt. Eine Behandlung ist zwecklos.

„Der Pferdebesitzer muß überzeugt werden, von einer ’Therapie’ durch Auftragen von Crèmes abzusehen“, sagt Tierärztin Dr. Marianne Sloet van Oldruitenborgh-Oosterbaan von der Universität Utrecht. „Will man unbedingt etwas verschreiben, dann Biotin in einer Dosis von 15 bis 30 Milligramm pro Tag und Pferd.“ Natürlich arbeiten Dermatologen daran, so mysteriöse Krankheiten wie die Alopezie eines Tages heilen zu können. Vorerst sind sie aber froh, wenn sie überhaupt wissen, wie das Leiden entsteht. Bei einer Form des Haarausfalls entdeckten sie die Ursache. „Die Alopecia areata oder umschriebene Alopezie ist eine Auto-Immunreaktion“, erklärt Dr. Loesenbeck. „Das Pferd reagiert allergisch auf die eigenen Eiweiße im Haarfollikel und greift sie an.“

Wie ein Anker hält dieser Follikel normalerweise ein Haar in der Haut. Auch Mähnen- und Schweifhaare wurzeln bis zu vier Millimeter tief – und fallen aus, wenn das amoklaufende Immunsystem ihre Ankerketten kappt.

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Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners

11.07.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2000