Die häufigsten Hauttumore bei Pferden sind oft sehr hartnäckig. Aber moderne Strahlentherapie oder eine spezielle Lichtbehandlung helfen effektiv.
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Symptome

Die meisten Pferde mit Equine Motor Neuron Disease (EMND), wie die Krankheit auf Englisch heißt, magern ab, obwohl sie mit Appetit fressen. Sie verlieren Muskulatur und leiden unter Muskelzittern. Oft liegen sie ungewöhnlich lange; beim Laufen trippeln die Hinterbeine.

Typisch für die Nervenkrankheit ist die Körperhaltung im Stehen: Das Pferd verlagert sein Gewicht auf die Hinterbeine, indem es sie möglichst weit unter den Körper stellt. Im Gegensatz zu Rehe-Patienten werden die Vorderbeine nicht nach vorne gestreckt, sondern ebenfalls unter den Körper gestellt. Das sieht aus, als stehe das Pferd auf einem Podest. Den Kopf hält es dabei eher gesenkt, die Schweifrübe wird gehoben.

Untersucht der Tierarzt den Augenhintergrund (Funduskopie), sieht er meist Veränderungen an der Farbschicht der Netzhaut (retinales Pigmentepithel). Die Netzhaut degeneriert lokal. „Der Augenhintergrund weist ein bienenwabenähnliches Pigmentmuster auf“, sagt Professor Hartmut Gerhards, Chef der Pferdeklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Pigmenteinlagerungen haben eine braun-schwarze bis gelb-braune Farbe. „Am Übergang zwischen Tapetum lucidum und Tapetum nigrum sind deutliche zackenartige Pigmentstreifen erkennbar“, sagt Gerhards. Das Sehvermögen ist meist nicht beeinträchtigt. Selten ist Muskelschwund das einzige sichtbare Symptom für die Motoneuron-Krankheit; Muskelbiopsien sichern die Diagnose ab.

Ursachen

Die Equine Motor Neuron Disease ist eine neurologische Erkrankung, die bei Pferden erst im Jahr 1990 in Amerika beschrieben wurde. Beim Menschen sind verschiedene MND-Varianten bekannt. Eine ist die Amyotrophische Lateralsklerose (ALS), an der etwa der weltberühmte britische Physiker Stephen Hawking leidet. Diese Krankheit ähnelt der EMND des Pferds.

Nervenzellen (Motoneuronen), die für bewusste und gezielte Be wegungen erforderlich sind, verkümmern. Die oberen Motoneuronen sind für die bewusste Auslösung einer Muskelbewegung zuständig, die unteren geben den eigentlichen Impuls an die Muskeln. Bei EMND ist offenbar ausschließlich das untere Motoneuronen-System gestört, so dass letztlich die Muskeln verkümmern und schrumpfen (Atrophie).

Wissenschaftler der Cornell Universität/USA gehen davon aus, dass sich klinische Symptome erst zeigen, wenn etwa 30 Prozent der unteren Motoneuronen nicht mehr richtig funktionieren oder bereits abgestorben sind. Schon bei einem geringeren Prozentsatz zerstörter Neuronen sind kranke Tiere allerdings nicht mehr so leistungsstark wie gesunde.

Die Ursache für die Motoneuronen-Krankheit bei Pferden ist noch nicht sicher geklärt. Vermutet wird allerdings, dass ein anhaltender Mangel an Vitamin E die Nervenzellen verkümmern lässt. Vitamin E ist ein natürliches Antioxidans, also ein Oxidationsschutzstoff, der im Organismus freie Radikale fängt und so die Zellen schützt. Der Vitamin-E-Bedarf eines Pferds liegt bei rund 100 Milligramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht; bei Rennpferden werden zur Leistungssteigerung bis zu 400 Milligramm pro 100 Kilo Körpergewicht empfohlen.

An der nordamerikanischen Cornell Universität wurde die Krankheit künstlich ausgelöst, indem die Versuchspferde länger als ein Jahr auf eine Vitamin-E-arme Diät gesetzt wurden. Pferde, die in Amerika an EMND erkrankten, hatten länger als ein Jahr keinen oder minimalen Weidegang.

19.11.2012
© CAVALLO