Die häufigsten Hauttumore bei Pferden sind oft sehr hartnäckig. Aber moderne Strahlentherapie oder eine spezielle Lichtbehandlung helfen effektiv.

Fettpolster quellen vor allem an Hals, Kruppe und Schweifansatz. Typisch ist chronische Hufrehe. „In vielen Fällen verläuft sie klinisch schwer erkennbar: Das Pferd läuft nur klamm oder fühlig, weil das Hufbein zwar schon absank, aber noch nicht rotierte“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold von der Tierklinik Großostheim/Bayern.

Umgekehrt leidet aber nicht jeder dicke Rehe-Patient am Equinen Metabolischen Syndrom (EMS). Fruchtbarkeitsprobleme bei Stuten und eine vermehrte Neigung zu Geburtsrehe sind weitere Symptome. EMS-Patienten sind zudem anfälliger für Infektionen. Die Leistungsfähigkeit lässt nach, das Pferd ermüdet schneller. Im fortgeschrittenen Stadium schrumpfen die Muskeln. „Das Pferd sieht zwar noch propper aus, aber nur, weil es fett ist“, sagt Dr. Bingold. Im Alter geht die Erkrankung unter Umständen fließend in das Cushing Syndrom über.

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Ursachen

EMS ist eine Zuckerstoffwechselstörung. In der Humanmedizin gilt das Metabolische Syndrom als klassische Wohlstands-erkrankung, die sich aus zwei Risikofaktoren speist: zu wenig Bewegung, zu energiereiche Ernährung. „Das ist bei Pferden ebenso“, sagt Dr. Christian Bingold. „Es gibt zwei Wege, wie Pferde EMS bekommen: Die einen bringen die genetische Anlage zur Leichtfuttrigkeit mit, die anderen werden fett gefüttert.“ Was aus fetten Pferden EMS-kranke macht, ist äußerlich nicht zu erkennen: die Insulinresistenz. Sie ist Folge des gestörten Zusammenspiels zwischen Zucker (Glukose) und dem Hormon Insulin, das die Bauchspeicheldrüse produziert. Insulin benötigt der Körper, um den Blutzuckerspiegel zu steuern, Glukose zu speichern und bei Bedarf in Energie umzuwandeln. Organzellen, die Zucker verbrauchen, vor allem in Muskulatur und Leber, sprechen bei EMS nicht mehr so gut auf Insulin an. Glukose als Energielieferant ist somit nicht verfügbar. Schuld sind Gewebshormone aus den Fettdepots, die den Stoffwechsel stören. Sie fördern auch Entzündungsprozesse.

„Fettgewebe ist nicht nur Speichergewebe, sondern eine aktive Hormondrüse, besonders dann, wenn im Überfluss Energie zugeführt wird“, erklärt Bingold. Vor allem Fettdepots an Hals, Kruppe und Schweifansatz sind hormonell aktiv; auch unsichtbares Bauchfett im Inneren des Pferds spielt eine Rolle. Vermutlich produziert nur Unterhaut-Fettgewebe keine schädlichen Hormone. Ob das Pferd eine Insulinresistenz entwickelte, testen Tierärzte mit verschiedenen Methoden wie dem Glukosetoleranztest. In der Tierklinik Großostheim arbeitet Bingold inzwischen mit dem neuen Verfahren CGIT, kombinierter (Combined) Glukose-Insulin-Test: „Der Vorteil ist die hohe Empfindlichkeit für die Insulinsensitivität, also wie gut Organzellen auf Insulin ansprechen.“

Das Pferd bekommt intravenös eine definierte Menge Glukoselösung; direkt danach wird Insulin gespritzt. Mittels Blutproben beobachtet Bingold den Einfluss des Insulins auf die Glukosekonzentration: „Bei gesunden Pferden wird Glukose ruck zuck aus dem Blut entfernt; bei Insulinresistenz sinkt der Level auch nach 45 Minuten kaum.“ Ob der Glukosespiegel einen bestimmten Grenzwert (zirka 100 Mikrogramm pro Deziliter Blut) überschreitet, ist nicht entscheidend: „Wichtig ist der Verlauf, also wie gut das Pferd auf Insulin reagiert.“ Einzelne Glukose- oder Insulinwerte können allenfalls einen Verdacht begründen, sind aber für eine eindeutige Diagnose (im positiven wie im negativen Sinn) unbrauchbar, da sie beim Pferd extrem unzuverlässig und schwankend sind.

Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

10 Bilder
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
19.11.2012
Autor: Redaktion CAVALLO/Dr. Ulli Wendlberger
© CAVALLO
Ausgabe 11/2012