CAVALLO-Check: Wahrnehmung - Wie Pferde die Welt sehen

So sehen Pferde

Pferde sehen anders als Menschen. Pferde sehen unscharf und kontrastreich. Kein Wunder, dass sie vor grellen Farben und entfernten Gegenständen scheuen.

 

CAVALLO Sinne Pferde
Foto: Lisa Rädlein Die gelbe Decke springt dem Pferd viel stärker ins Auge als der Reiterin.

Die Augen des Pferds liegen seitlich links und rechts am Kopf: Dadurch hat das Pferd ein monokulares Sehfeld, kann die meisten Dinge also zunächst nur mit einem Auge betrachten. „Sie können die optischen Reize aber von einer Gehirnhälfte auf die andere übertragen“, sagt Professor Konstanze Krüger.

Allerdings sehen sie weiter entfernte Gegenstände nicht räumlich und können sie deshalb schlechter einschätzen. Pferde sehen zudem in der Ferne deutlich unschärfer als wir. Das führt schnell dazu, dass sie vor weiter entfernten Dingen erschrecken. Beim Farbsehen ist der Mensch im Vorteil: Die als Zapfen bezeichneten Sinneszellen auf der Pferde-Netzhaut können kein Rot erkennen. Gut nehmen sie dagegen Blau und Gelb wahr.

Objekte sehen Pferde am besten, wenn sie in Bewegung sind oder direkt am Boden liegen. Bereits einen Meter über dem Boden wird der Gegenstand unschärfer, und die Farbe ist nicht mehr so gut erkennbar. In punkto Rundumsicht machen wir Pferden nichts vor. Sie sehen in einem Winkel von fast 360 Grad alles, was vor, neben und hinter ihnen passiert – auch wenn sie am Zügel gehen. Grund: Die seitliche Lage der Augen und der bewegliche Augapfel.

Außerdem besitzt das Pferd mehr als Stäbchen bezeichnete Sinneszellen. Dadurch nimmt es Hell-Dunkel-Kontraste viel besser wahr als wir. Die Folge: Es erschrickt leicht vor grellen Stangen oder Sonnenstrahlen auf dem Weg oder an der Bande.

Gelassenheit beim Pferd lässt sich trainieren:

Gewöhnung ist alles: Grelle Kontraste oder unbekannte Gegenstände jagen Pferden schnell Angst ein. So vermeiden Sie heftige Reaktionen.

Tipps: „Pferde gewöhnen sich an Vieles, auch an grelle Farben“, sagt Professor Krüger. „Hell-Dunkel-Kontraste können Fohlen früh kennenlernen, etwa wenn sie gemeinsam mit der Mutter verladen werden“, so Marlitt Wendt. Auch ältere Pferde können cooler werden. Setzen Sie sie möglichen Reizen schrittweise aus – immer nur so weit, dass das Pferd noch gelassen bleibt. Legen Sie unbekannte Objekte auf den Boden, dann kann das Pferd sie am deutlichsten sehen. Loben Sie es, wenn es cool bleibt und sich schrittweise dem Gegenstand nähert. „Schaffen Sie im alltäglichen Training immer wieder künstlich Problemsituationen“, empfiehlt Florian Oberparleiter. Ob wehende Planen, Jacken auf der Bande, grelle Stangen oder Verladen: Was Sie zu Hause in Ruhe üben, erschreckt Ihr Pferd weder im Gelände noch auf dem Turnier.

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25.01.2014
Autor: Claudia Weingand
© CAVALLO
Ausgabe 2 / 2014 /2014