CAVALLO klärt auf - "Knochenbrecher" Tamme Hanken

Das Einrenken - Ein Ruck am Pferdebein

Derzeit sorgt "XXL-Ostfriese" Tamme Hanken in der NDR-Sendung "Unterwegs mit dem Knochenbrecher" für Quote. CAVALLO wollte wissen, wie er Pferde "einrenkt" und machte einen Besuch vor Ort.

Zum Tod von Tamme Hanken: Der "Knochenbrecher" lebt nicht mehr

Der Ton, den er gegenüber den Besitzern anschlägt, ist hart wie Eisen. „Ihr habt nie gelernt, wie ein Pferd richtig laufen soll. Wenn du dein Pferd weiter so laufen lässt, hat es zu Weihnachten einen französischen Namen: Lasagne.“

Auch auf die Hufschmiede schimpft er. „Hat dein Schmied eine gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten drauf?“, fragt Hanken eine Frau. Verdattert schüttelt sie den Kopf. „Sollte er aber haben“, gibt Hanken zurück, „der muss blind gewesen sein. Die Hufe sind beschissen.“ Seine Kommentare sind derb, treffen aber bei den Hufen an diesem Tag ins Schwarze.

Zur Diskussion im CAVALLO-Forum - "Knochenbrecher" Tamme Hanken

Sättel beurteilt der Knochenbrecher ebenfalls. „Schätzelein, war dein Sattler besoffen?“, fragt Tamme Hanken eine Kundin. Die Frau schüttelt den Kopf. „Warum baut er dann so einen Sattel?“ In der Tat liegt der Sattel nicht im Schwerpunkt. „Hatte der Sattler genauso wenig Ahnung wie du?“, kommentiert er. Das ist Klartext nach Art des Ostfriesen, sein Markenzeichen.

Berühmt ist Hanken für sein „Einrenken“, wie der Knochenbrecher seine Technik selbst bezeichnet. Dabei ist dieser Begriff falsch, wie CAVALLO mehrfach berichtete, etwa im Artikel „Das ist der Hammer“ in Heft 6/2011: Wirbel können maximal ganz leicht schief stehen. Wären sie ausgerenkt, wäre das Pferd gelähmt.

Ein kurzer, kräftiger Ruck am Pferdebein

Hankens „Einrenken“ läuft so ab: Die Vorderbeine hebt er nacheinander an, ruckt an jedem Gelenk und bewegt das jeweilige Bein zur Seite. Bei den Hinterbeinen geht er ähnlich vor: Ein kurzer Ruck am Fessel- und am Sprunggelenk, dann bewegt er das Hinterbein mit einem Griff ums Röhrbein nach hinten und zieht daran. Bei dem über 2 Meter großen und geschätzt 160 Kilo schweren Mann kann man sich vorstellen, welche Kräfte dabei auf das Pferd wirken.

An diesem Tag sieht das Einrenken relativ harmlos aus im Vergleich zu den Bildern, die man sonst oft in seiner NDR-Doku-Soap „Der XXL-Ostfriese“ zu sehen bekommt. Die Handgriffe sind aus Sicht von Chiropraktikerin Winnie Dreschel dennoch nicht ohne: Hanken nutzt bei seinem Vorgehen lange Hebel. Das heißt, er beeinflusst mehrere Gelenke gleichzeitig.

Klar wird das am Beispiel des Hinterbeins: „Natürlich wirkt er auf das Kreuzdarmbeingelenk des Pferds ein, wenn er daran zieht“, erklärt Winnie Dreschel. „Allerdings sind drei weitere Gelenke zwischengeschaltet, bevor die Kraft beim Kreuzdarmbeingelenk ankommt: nämlich das Sprunggelenk, das Knie und das Hüftgelenk.“

Weil die Wirkung über lange Hebel sehr ungenau sein kann, arbeiten Chiropraktiker normalerweise mit kurzen Hebeln. Dadurch wirken sie gezielt auf ein bestimmtes Gelenk ein. „Es gibt einige Osteopathen und Physiotherapeuten, die über die Langhebeltechnik arbeiten“, sagt die Tierärztin.


29.03.2014
Autor: Barbara Forro
© CAVALLO
Ausgabe Juni 2013/2013