CAVALLO klärt auf - "Knochenbrecher" Tamme Hanken

So schützen Sie sich vor Wunderheilern am Pferd

Derzeit sorgt "XXL-Ostfriese" Tamme Hanken in der NDR-Sendung "Unterwegs mit dem Knochenbrecher" für Quote. CAVALLO wollte wissen, wie er Pferde "einrenkt" und machte einen Besuch vor Ort.

Zum Tod von Tamme Hanken: Der "Knochenbrecher" lebt nicht mehr

1. Wie finde ich für mein Pferd einen kompetenten Therapeuten?

Gerd Sickinger: Nicht jeder, der Pferde behandelt, hat eine gute Ausbildung: Die Berufsbezeichnungen „Chiropraktiker“, „Osteopath“ oder „Tierheilpraktiker“ sind in Deutschland nicht geschützt. Achten Sie daher darauf, dass der Therapeut eine fundierte Ausbildung hat.

Gute Adressen sind etwa die International Academy of Veterinary Chiropractic (www.i-a-v-c.de), die International Association of Veterinary Chiropractic (www.ivca.de) und das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie (www.osteopathiezentrum.de). Einige davon bilden nur Tierärzte oder Therapeuten weiter, die eine medizinische Ausbildung haben.

Zur Diskussion im CAVALLO-Forum - "Knochenbrecher" Tamme Hanken

2. Darf jeder Heiler Pferde behandeln, wie er will?

Gerd Sickinger: So einfach ist es nicht. „Erlaubt sind Behandlungen, die aus Tierschutz-Sicht nicht bedenklich sind“, erklärt Pferderechtsanwalt Gerd Sickinger. Dazu zählen Hausmittel, die alte Stallmeister etwa bei Fieber oder Kolikbeschwerden als erste Hilfe anwenden. Medizinische Eingriffe dürfen die Therapeuten nicht anwenden: Eine Operation beispielweise ist nur den Tierärzten vorbehalten.

3. Wenn sich mein Pferd bei einer Behandlung verletzt, wer haftet für den Schaden?

Gerd Sickinger: Erkrankt das Pferd, ist der Besitzer in der Beweispflicht. „Ich kann von dem Behandelnden nur Schadensersatz fordern, wenn dessen eindeutiges Verschulden nachgewiesen werden kann“, sagt Sickinger. „Das heißt, der Schaden muss klar auf den Behandelnden zurückzuführen sein und dieser muss fahrlässig gehandelt haben.“

Der Heiler muss die „im Verkehr“ nötige Sorgfalt außer Acht gelassen haben. Dazu zählen alle Behandlungsfehler: Wer ein sichtbar lahmes Pferd ohne eine ausreichende Diagnostik an Hinterbeinen zieht, handelt fahrlässig. Bei sogenannten groben Behandlungsfehlern muss der Therapeut beweisen, dass ihm kein Fehler unterlaufen ist. Was unter einem groben Behandlungsfehler zu verstehen ist, muss ein Gericht feststellen.


29.03.2014
Autor: Barbara Forro
© CAVALLO
Ausgabe Juni 2013/2013