Die neue Stammzellen-Therapie für Pferde

Schnelles Handeln bei Sehenleiden

In nur einer Stunde wird aus ein paar Millilitern Körperfett eine wirksame Medizin für kranke Sehnen, Gelenke oder Augen. Und das Pferd muss nicht einmal unbedingt in die Klinik!

Geschwindgkeit ist gerade bei Sehnenpatienten wichtig, um ihre Heilungschancen zu verbessern. Denn ohne schnelle Behandlung verschlimmert sich ein akuter Schaden womöglich noch. In jedem Fall bildet sich schon nach rund einer Woche unelastisches Narbengewebe; die kranke Sehne kann verklumpen. Mit der herkömmlichen Methode, Stammzellen aus Knochenmark zu gewinnen, vergehen hingegen drei bis vier Wochen: So lange dauert die Vermehrung im Labor.

Ohne diese Anzucht ist Knochenmark kein besonders zuverlässiger Stammzellen-Lieferant: Es ist niemals sehr zellreich – und schlimmstenfalls hat der Tierarzt gar kein Knochenmark abgesaugt; eine Kontrollmöglichkeit vor Ort gibt’s nicht. Dann geht die Prozedur von vorne los. Jederzeit in kontrollierter Qualität verfügbar sind bisher nur Stammzellen aus Nabelschnurblut neu geborener Fohlen. Welche Vorteile bietet aber nun Fett als Stammzell-Lieferant?

In Fettgewebe stecken sehr viel mehr Stammzellen als in Knochenmark. „Mit unserem Verfahren ist es unnötig, die Anzahl der Zellen im Labor zu erhöhen”, sagt Christine Fuchs. Zumal das künstliche Kultivieren auch auf Kosten der Qualität gehen kann, wie Studien zeigten. Stammzellen aus Fettgewebe, kurz ADSCs (adipose derived stem cells) haben die gleichen positiven Eigenschaften wie Zellen aus Knochenmark: Sie reparieren und regenerieren Gewebe, wirken zudem anti-entzündlich. Leicht zu gewinnen sind sie obendrein.

Fett ist bei den meisten Pferden reichlich vorhanden und liegt dicht unter der Haut. „Nur wenn die Tiere wirklich sehr dünn sind, wie etwa manche Galopper, muss man tiefer ins Gewebe”, sagt Christine Fuchs. „In der Regel lässt sich Fettgewebe problemlos an der Kruppe entnehmen.”

Fettabsaugen ist praktisch risikolos und schmerzlos fürs Pferd. Wie die Prozedur abläuft, zeigen die Grafiken auf der vorigen Seite. Und so wird aus 20 bis 30 Millilitern Fett in einem speziellen Verfahren in rund 60 Minuten Medizin: Das entnommene Fett wird zuerst mit der InGeneron Matrase-Enzymmischung versetzt und dann rund 30 Minuten in einem Gerät zentrifugiert, das sich „ARC Gewebeverarbeitungseinheit“ nennt. „Hier werden die Fettzellen von den regenerativen Zellen getrennt“, sagt Fuchs. Im dritten Schritt wird erst filtriert und dann abwechselnd konzentriert und gewaschen. Danach wird das Ganze noch zweimal gewaschen, um die eingangs zugesetzten Enzyme wieder unter die Nachweisgrenze zu drücken. Fertig ist die Stammzell-Suspension – und der Tierarzt kann seinen Patienten behandeln. Die Kosten entsprechen denen einer herkömmlichen Stammzell-Therapie und liegen bei zirka 1200 Euro.

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
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CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
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18.10.2016
Autor: Linda Krüger
© CAVALLO
Ausgabe /2016