Erste Hilfe für Pferde: So können Reiter im Notfall helfen

Ist mein Pferd gesund?

Tierärzte geben Tipps: Welche Gesundheitsprobleme des Pferds dürfen Reiter selbst behandeln? Und welche Hausmittel sind riskant?

Basis: Üben für den Ernstfall

Voraussetzungen: Sie müssen vertraut sein mit dem normalen Verhalten und den normalen Werten des Pferds. Notieren Sie seine Standardwerte, halten Sie diese Notizen für den Ernstfall zum Beispiel im Spind parat (Vordruck im Internet-Service). Üben Sie in Ruhe, die Vitalwerte (Puls, Atmung, Temperatur, Kreislauf) zu ermitteln. Sie werden sonst massive Probleme bekommen, wenn Sie unter Stress stehen oder Ihr Pferd unruhig ist. Sie benötigen folgende Instrumente: digitales Fieberthermometer, Stethoskop, Uhr mit Sekundenanzeige.

Wichtig: Der Body-Check soll den Tierarzt nicht ersetzen. Die Diagnose stellt der Fachmann. Überschätzen Sie Ihr Urteilsvermögen nicht: Auch wenn Sie geübt haben, sind Sie kein Tierarzt. Seien Sie vorsichtig bei der Beurteilung von Tieren, die Sie nicht kennen: Jedes Pferd ist anders. Im Zweifel lassen Sie vom Body-Check fremder Pferde lieber die Finger. Body-Check Formular zum Download

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Verhalten: Überblick mit Abstand

Beobachten Sie das Pferd zunächst aus ein paar Metern Entfernung. Nehmen Sie dabei keinerlei Einfluss auf das Tier, um das wahre Verhalten nicht zu verfälschen. Die folgenden Kriterien sind wichtig, um sich einen Überblick über den Ernst der Lage zu verschaffen:

Verhalten: Ist das Pferd ansprechbar, erregt, apathisch, ängstlich, tobt es?

Körperhaltung: Steht es wie ein Sägebock mit vorgestreckten Vorderbeinen und nach hinten gestreckter Hinterhand? Hat es Krämpfe? Ist der Rücken aufgekrümmt? Belastet es alle Beine?

Bewegung: Ist es fähig zu laufen? Wie läuft es, also beispielsweise steif, lahm, unkoordiniert?

Schmerzen: Zeigt es Schmerzsymptome wie Wälzen, nach dem Bauch umsehen, Scharren, Liegen, Schwitzen, Zähneknirschen? Oder ist es ungewöhnlich ruhig und teilnahmslos?

Sonstige Merkmale: Frisst es oder hat es keinen Appetit, äpfelt es? Falls ja: Wie sieht der Kot aus (wässrig, breiig, sehr hart)? Äußere Verletzungen: Sehen Sie Blutungen, Hautabschürfungen oder Schwellungen?

Umgebung: Gab es Veränderungen im Umfeld? Beispiele sind Transport, Anstrengung, Krankheiten im Stall, umgewühlte Box, Futterumstellung, große Hitze, Wasserentzug, Koppel-Ausbruch.

Achtung: Die Lage ist dramatisch, wenn das Pferd nicht ansprechbar ist, tobt oder sich nicht zum Aufstehen bewegen lässt. Benachrichtigen Sie dann sofort den Tierarzt. Bis zu dessen Eintreffen bestimmen Sie die Vitalwerte, soweit dies gefahrlos möglich ist. Riskieren Sie nicht, dass Sie von einem tobenden Tier an die Wand gequetscht werden.

Ist die Situation nicht dramatisch, bestimmen Sie zunächst die Vitalwerte, bevor Sie den Arzt verständigen. So können Sie ihm am Telefon schon alle wichtigen Hinweise geben.

 

CAVALLO Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold
Foto: Lisa Rädlein Dr. Christian Bingold, 51, ist Pferdefachtierarzt.

Kontakt:

Dr. Christian Bingold ist Leiter der Pferdeklinik Großostheim, Wendelinusweg 53, 63762 Großostheim (www.pferdeklinikgrossostheim.de) in Bayern. Zu seinen Spezialgebieten gehören Orthopädie, orthopädische Chirurgie, Sportmedizin und Rittigkeitsprobleme. Er bildet in seiner Klinik auch Veterinäre zu Fachtierärzten für Pferde aus.

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
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02.05.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 08/2009