Erste Hilfe für Pferde: So können Reiter im Notfall helfen

Vitalwerte beim Pferd messen

Tierärzte geben Tipps: Welche Gesundheitsprobleme des Pferds dürfen Reiter selbst behandeln? Und welche Hausmittel sind riskant?

 

CAVALLO Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold
Foto: Lisa Rädlein Temperatur messen.

Temperatur

Wo messen Sie: im After (Rektum) des Pferds.

Wie: Führen Sie das digitale Fieberthermometer vorsichtig ein. Die Spitze vorher mit Vaseline fetten oder befeuchten (etwas Spucke reicht). Sensor nicht in der Mitte halten, sondern mit Gefühl Kontakt zur Darmwand halten, sonst werden unter Umständen zu niedrige Werte gemessen. Piepton signalisiert das Ende der Messung.

Normwerte: Bei Pferden über 2 Jahren: 37,5 bis 38,2 Grad Celsius (unter 2 Jahren: 37,5 bis 38,4°C). Nach Belastung ist ein Anstieg auf 39 bis 40°C möglich und normal.

Weiteres: 20 bis 30 Minuten nach Ende einer größeren Belastung sollte die Temperatur an den Ausgangswert herankommen. Normale Abkühlrate: 1°C pro 10 Minuten. Körpertemperaturen über 40,5°C sind für das Pferd gewebsschädlich, bei über 41°C werden bereits Zellen zerstört.

Was noch: Untertemperatur kann bei Schock oder Kreislaufversagen eintreten. Dann ist aber auch der Kreislauf betroffen. Bei Fohlen ist Unterkühlung ein ernstzunehmendes Problem (sofern Thermometer und Messung stimmen).

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CAVALLO Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold
Foto: Lisa Rädlein Puls/Herzfrequenz messen.

Puls / Herzfrequenz

Wird am besten mit dem Stethoskop ermittelt, das billigste reicht.

Wo messen: auf Höhe des Ellenbogenhöckers auf der linken Seite. Stethoskop zwischen Ellenbogen und Brustwand ein wenig nach vorne schieben. Vorderbein sollte leicht nach vorn gestellt sein.

Wie: 6 Sekunden zählen und mit 10 multiplizieren oder 15 Sekunden zählen und mit 4 multiplizieren. Ein „Buh-dupp“ ist ein Herzschlag; bei hohen Frequenzen hören Sie nur das „Dupp“.

Messung mit der Hand: Für Ungeübte in Problemsituationen und bei hoher Frequenz schwierig bis unmöglich.

Wo: am unteren Rand des linken Unterkieferastes, wo der gerade Teil in den runden übergeht.

Wie: mit den Fingerkuppen den Gefäßstrang ertasten (fühlt sich an wie weich gekochte, dickere Spaghetti). Gefäßstrang zwischen zwei Finger legen, mäßigen Druck aufbauen; Druck langsam nachlassen, bis Sie den Puls fühlen.

Normwerte: erwachsene Tiere in Ruhe 28 bis 40 Schläge pro Minute (Fohlen in den ersten Wochen 70 bis 100 Schläge/min).

Weiteres: über 60 Schläge pro Minute: normal in der Beruhigungsphase nach Aufregung oder auch bei leichter Belastung; Noch 30 Minuten nach Ende einer Belastung: Zeichen für Überanstrengung; dauerhaft über 60: Anzeichen für anhaltenden Stress oder Belastung des Körpers etwa durch Erkrankung.

über 80 Schläge pro Minute: normal direkt nach intensiverem Training; dauerhaft über 80: deutliches Anzeichen für eine erhebliche Erkrankung.

über 100 Schläge pro Minute: normal direkt nach schwerer Arbeit und Anstrengung; dauerhaft über 100: Anzeichen für ein sehr gravierendes Problem.

Was noch: Pferdeherzen können bei Maximalbelastungen Frequenzen bis zu 250 Schlägen pro Minute erreichen.

Achtung: Hören Sie nicht am Darm. Bei Kolikverdacht mit Ohr oder Stethoskop am Pferdebauch Darmgeräuschen nachzuspüren, bringt Laien nichts. Wie es im Darm blubbern sollte, können Sie ohne medizinische Kenntnisse nicht beurteilen.

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
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02.05.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 08/2009