Erste Hilfe für Pferde: So können Reiter im Notfall helfen

Beine, Sehnen und Gelenke

Tierärzte geben Tipps: Welche Gesundheitsprobleme des Pferds dürfen Reiter selbst behandeln? Und welche Hausmittel sind riskant?

 

CAVALLO Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold
Foto: Lisa Rädlein Wo genau ist das Bein dick? Diese wichtige Frage können Sie dem Arzt leichter beantworten, wenn Sie sich Referenzpunkte merken.

Hände weg von dicken Beinen. Selbst das vermeintlich harmlose Kühlen mit Wasser oder das Bandagieren in Eigenregie sind tabu. Denn dadurch verdecken Sie womöglich wichtige Symptome wie Wärme oder Schwellung. Jede Therapie auf eigene Faust erschwert dem Arzt die Diagnose und damit auch die richtige Behandlung. „Behandeln Sie Erkrankungen an den Pferdebeinen deshalb niemals ohne Rücksprache mit dem Tierarzt“, betont Dr. Christian Bingold, Spezialist für orthopädische Probleme.

Tückisch sind vor allem Verletzungen an Gelenken (siehe auch „Wunden“), die harmlos aussehen können: Das Pferd lahmt oft nicht einmal, und das Bein ist auch nicht dick. Alarmsignal: Farblose oder bernsteinfarbene Flüssigkeit läuft in kleinen Mengen aus einer Verletzung in Gelenksnähe. Dazu gehört auch der Bereich der Fesselbeuge.

Wichtig: Lassen Sie die Finger von jeder Selbstmedikation. Geben Sie Ihrem Pferd nie Entzündungshemmer wie Phenylbutazon, selbst wenn Sie noch ein paar Tütchen von der letzten Therapie im Spind haben.

Bei Bein-Erkrankungen muss der Besitzer Befunde erheben, damit der Arzt beurteilen kann, wie dringend ein Besuch ist. Die wichtigsten Merkmale, auf die Sie dabei achten müssen, sind Schmerz, Wärme, Schwellung, Funktionsverlust (Lahmheit).

Prüfschema: Beobachten Sie das Pferd beim Laufen: Lässt es sich zum Schritt bewegen, lahmt es schon im Schritt oder erst im Trab? Kann es seine Bewegungen koordinieren? Wenn es die Gliedmaße belastet: Tritt es mit der ganzen Sohle auf, nur mit der Zehe, oder hängt das Bein quasi in der Luft? Hat es das Bein unter Kontrolle, oder sackt es wie gelähmt weg?

Schauen Sie sich die Beine mit etwas Abstand an: Fallen Ihnen Schwellungen oder Verletzungen auf? Die wichtigste Info für den Tierarzt: Wo genau ist das Bein dick oder verletzt und in welchem Umfang? Merken Sie sich Referenzpunkte am Bein, die Sie kennen und beschreiben können: zum Beispiel zwei Fingerbreit über dem Kronrand oder in Höhe der Kastanie.

Tasten Sie das Bein ab: Ist die Schwellung klar abgegrenzt? Wie fühlt sie sich an? „Derb“ bedeutet: die Schwellung lässt sich nicht eindrücken. „Teigig, ödematös“: lässt sich eindrücken, Delle bleibt in der Haut; „Fluktuierend“: Flüssigkeitsbewegung lässt sich ertasten wie bei einer Blase an der Hand. Wie schmerzhaft reagiert das Pferd: Können Sie das Bein überhaupt anfassen? Zieht es die Gliedmaße bereits auf leichten Druck weg, oder zuckt es erst, wenn Sie fester zupacken?

Vergleichen Sie die Gliedmaßen: Ist das Bein/die Stelle wärmer als auf der anderen Seite?

Weitere wichtige Infos für den Arzt: Wann haben Sie die Symptome zuerst festgestellt? Kamen sie plötzlich? Haben Sie bemerkt, dass das Pferd beim Reiten stolperte, bevor es lahmte? War es auf der Weide oder allein in seiner Box?

Tipp: Tasten Sie die Vorder- und Hinterbeine Ihres Pferds regelmäßig nach dem Reiten ab. So können Sie Veränderungen leichter erkennen. Dass sich die Beine nach dem Training warm anfühlen, ist normal. Sobald eines der anderen Symptome (Schwellung, Druckempfindlichkeit, Lahmheit) hinzukommt, rufen Sie bitte den Tierarzt.

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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02.05.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 08/2009