Erste Hilfe für Pferde: So können Reiter im Notfall helfen

Husten und Atemwegserkrankungen

Tierärzte geben Tipps: Welche Gesundheitsprobleme des Pferds dürfen Reiter selbst behandeln? Und welche Hausmittel sind riskant?

Husten ist nicht harmlos. Mögliche Atemwegsprobleme sollten Sie nie in Eigenregie behandeln. Die Pferdelunge ist sehr empfindlich, Entzündungen der unteren Atemwege werden leicht unterschätzt. Zwei verbreitete Irrtümer: „Mein Pferd hustet nicht, also sind die Atemwege gesund.“ Oder, falls es doch einmal hustet: „Der hat sich nur verschluckt.“

„Verschluckt“ sich das Pferd regelmäßig etwa zu Beginn des Reitens, weist dies auf eine Atemwegserkrankung hin. „Das sollte unbedingt abgeklärt werden, damit diese nicht chronisch wird“, betont Tierärztin Dr. Heike Kühn von der Pferdeklinik München-Riem. „Tatsächlich husten nur etwa 60 Prozent der Pferde mit Atemwegserkrankungen.“ Eine ausgeprägte Sekretrinne (die scharfe Linie zwischen pigmentierter Haut und unpigmentierter Schleimhaut in der Nüster verschwimmt) verrät, dass die Atemwege schon länger entzündet sind.

Tröpfelt es nach dem Training wässrig oder hell aufgeschäumt aus den Nüstern, ist das normal. Ist der Nasenausfluss milchig, gelblich oder grünlich, muss der Tierarzt das Pferd untersuchen. Das gilt auch bei Nasenbluten. Schlimmstenfalls riskieren Sie, dass das Pferd binnen weniger Minuten verblutet, wenn bei einer Luftsackmykose Pilze die Kopfarterien zerfraßen.

Auch wenn die Diagnose klar ist, sollten Sie Hausmittel oder freiverkäufliche Hustenpräparate nur nach Rücksprache mitdem Arzt oder Heilpraktiker einsetzen. Denn manche Hausmittel sind beliebt, aber heikel, etwa die Inhalation mit ätherischen Ölen. Lungenspezialistin Kühn warnt: „Das Flimmerepithel der Bronchialschleimhaut verklebt, so dass sich zäher Schleim festsetzt; ätherische Öle können zudem zu allergischen Reaktionen führen.“ Inhalieren mit Emser-Salz-Lösung unterstützt chronische Lungenpatienten besser: „Ein einfacher Druckvernebler reicht.“

Infos für den Arzt: Seit wann hustet das Pferd? Wie hoch ist die Temperatur? Hat es Atemnot? Ist beim Ein- oder Ausatmen ein Geräusch zu hören? Wie hoch ist die Atemfrequenz? Hat es Nasenausfluss? Welche Impfungen hat es? Sind noch andere Tiere im Stall betroffen?

Wichtig: Spritzen dürfen Pferdebesitzer nicht selbst geben. Jede Injektion ist eine invasive Maßnahme, also ein Eingriff, der nur von Personen mit entsprechender Ausbildung durchgeführt werden darf. Auf das Mittel, das gespritzt wird, kommt es nicht an.

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
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02.05.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 08/2009