Erste Hilfe für Pferde: So können Reiter im Notfall helfen

Wunden versorgen

Tierärzte geben Tipps: Welche Gesundheitsprobleme des Pferds dürfen Reiter selbst behandeln? Und welche Hausmittel sind riskant?

 

CAVALLO Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold
Foto: Lisa Rädlein Einblick durch die Nüster: Verschwimmt die scharfe Linie zwischen Haut und Schleimhaut, sind die Atemwege schon länger entzündet.

Bevor Reiter ein verletztes Pferd behandeln, müssen Sie folgende Punkte prüfen: Ist der Allgemeinzustand gestört? Body-Check Forumular zum Download

Blutet die Wunde stark? Wo ist das Pferd verletzt: Wunden in der Nähe von Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeuteln, Gelenken oder Knochen sind gefährlicher als Verletzungen des Muskelgewebes.

Wie tief ist die Wunde: Wurde die Haut durchstochen (perforierende Verletzung, Anhaltspunkt: Die Wunde lässt sich nicht in einem Stück verschieben, wenn man die benachbarte Haut bewegt)? Ist die Wunde stark verschmutzt?

Wie groß die Wunde ist, spielt dagegen keine Rolle: Besonders gefährlich sind unscheinbare Stichverletzungen, etwa mit der Mistgabel.

“Jede Stichverletzung, jede perforierende Verletzung und jede Verletzung, die zusätzliche Symptome wie Lahmheit oder Fieber verursacht, muss umgehend dem Tierarzt gezeigt werden“, sagt Dr. Anton Fürst, Leiter der Abteilung Pferdechirurgie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich.

Behandeln Sie an solchen Wunden nie auf eigene Faust herum, da schwere Infektionen drohen und die Wundheilung womöglich massiv gestört wird. Je schneller eine Verletzung genäht wird, desto problemloser die Heilung. Der Tierarzt kann Wunden, die älter als 12 Stunden sind, selten erfolgreich nähen.

Verliert das Pferd viel Blut, legen Sie einen Druckverband an. Die Gesamtblutmenge beträgt etwa 8 Prozent des Körpergewichts, bei einem Pferd mit 500 Kilo sind das rund 40 Liter. Gefährlich sind Blutverluste von mehr als 8 Litern.

Oberflächliche Schürf- oder Schnittwunden kann der Pferdebesitzer selbst behandeln. „Schnittwunden, die vom Tierarzt genäht werden, heilen aber schneller“, gibt Dr. Anton Fürst zu bedenken. Zunächst werden die Haare um die Wunde herum mit einer gebogenen Schere entfernt, anschließend wird die Verletzung mit einer milden, desinfizierenden seifenhaltigen Jodlösung gereinigt. Dann tupfen Sie die Wunde mit einem Desinfektionsmittel wie Jodlösung ab.

„Wundverbände am Bein sind immer gut, wenn sie richtig angelegt werden“, sagt Fürst. „Vor allem im Bereich des Röhrbeins gibt es leicht Schwellungen und Infektionen, die mit einem Verband verhindert werden können.“ Weil schlecht sitzende Verbände mehr schaden als nützen, sollten Sie sich von Ihrem Tierarzt zeigen lassen, wie man einen Wundverband im Ernstfall korrekt anlegt.

Achten Sie darauf, ob das Pferd später möglicherweise lahmt, das Bein anschwillt oder ob das Tier Fieber bekommt. „Dies sind Zeichen für eine Infektion. Sie müssen umgehend den Tierarzt rufen“, so Fürst.

Wichtig: Sprühen Sie kein Blau-, Aluminiumspray oder ähnliches auf Verletzungen, die möglicherweise genäht werden müssen. Wunden in Nähe der Augen dürfen Sie nur mit Wasser säubern, nie mit Jod oder anderen Desinfektionsmitteln. Bei jeder Verletzung müssen Sie prüfen, ob das Pferd gegen Tetanus geimpft ist!

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Kinesio Tape Pferd tapen Foto: Lisa Rädlein
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02.05.2016
Autor: Cavallo
© CAVALLO
Ausgabe 08/2009