Alte Wunden - neue Leiden: Narben gehen Pferden unter die Haut

Giftstoffe und Erreger sorgen für Entzündungen

Jede Wunde und jede Operation hinterlässt Narben, die Pferde krank oder unreitbar machen können. Lassen sich selbst alte Einschnitte kurieren? CAVALLO hat Tierärzte dazu befragt.

 

CAVALLO Narben Pferdefell
Foto: Slawik Wundheilung und Narbe muss der Pferdebesitzer im Blick behalten.

Wann sich Narben zu Störfeldern entwickeln, weiß Tierarzt Dr. Uwe Petermann aus dem niedersächsischen Melle: „Narben sind immer dann gefährlich, wenn sie aus einer schlecht verheilten Wunde entstanden sind und sich im Gewebe kleine Mikroabszesse gebildet haben.“ Da sich die eigentlichen Entzündungsherde abkapseln und örtlich begrenzt bleiben, verursachen sie zunächst keine nennenswerten Beschwerden. Die Folge ist, dass sie leicht übersehen werden - und in Vergessenheit geraten. Wenn das Pferd später kränkelt, denken Reiter und Tierarzt oft nicht mehr an die alte Wunde. „Die eigentliche Verletzung kann schon Jahre zurückliegen“, bestätigt Robert Stodulka.

Umso wichtiger ist, dass man eine Narbe möglichst von Anfang an genau beobachtet. Denn das Aussehen einer Wunde kann wichtige Hinweise geben, ob sie das Pferd stören wird. Heilt eine Verletzung problemlos, entwickeln sich daraus in der Regel optisch unauffällige (physiologische) Narben. Sie sind weich und flach. Krankhafte (pathologische) Narben sind dagegen kaum zu übersehen. Die häufigsten Formen sind hypertrophe Narben und Keloide. Hypertrophe Narben entstehen kurz nach der Wundheilung oder noch in deren Verlauf. Ursache ist eine Überproduktion von Bindegewebsfasern. Die Narbe neigt zur Wulstbildung und erhebt sich über das sie umgebende Hautniveau, bleibt jedoch auf das ursprüngliche Verletzungsgebiet beschränkt.

Solche Narben bilden sich häufig, wenn die Wunde nicht ruhiggestellt wird oder sich zusätzlich infizierte. Als Keloide bezeichnet man überschüssiges Narbengewebe (Wildes Fleisch), das über die Wunde hinauswuchern kann. Keloide wachsen oft erst nach Monaten und haben zudem einen genetischen Hintergrund. „Sie treten häufig bei Füchsen auf, deren Haut bläulich oder grünlich durch weiße Stellen schimmert“, so Robert Stodulka. „Solche Pferde neigen auch zu Pigmentstörungen und Sonnenbrand.“ Weiße Haare, die manche Pferde nach einer Verletzung entwickeln, sind ebenfalls Signal für ein Störfeld.

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Fotostrecke: Nachtschicht: Bilder aus der Pferdeklinik

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Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
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24.05.2012
Autor: Redaktion CAVALLO / Regina Kühr
© CAVALLO
Ausgabe 04/2012