Handicaps: So gut kommen Pferde trotz Schwächen zurecht

Mut zum medizinischen Eingriff

Ihnen kann geholfen werden: Tierärzte setzen Pferden künstliche Linsen in die Augen, Implantate in den Rachen – aber keine Kronen ins Maul.

Zur Diskussion im CAVALLO-Forum: Wer hat Erfahrung mit Handicap-Pferden, die taub oder blind sind und ihr Leben trotzdem meistern?

Kehlkopf: „Jede Verengung im Kehlkopf vermindert die Luftzufuhr“, sagt
Dr. Aleksandar Vidovic, Fachtierarzt an der Tierärztlichen Klinik Altforweiler. Deshalb wird bei Kehlkopfpfeiffern der defekte Stellknorpel, der die Luftzufuhr regulieren soll, fixiert. „Bei dieser OP wird der gelähmte Muskel entfernt und durch ein Implantat ersetzt“, erklärt Vidovic. Dabei wird auch die Stimmtasche entfernt. Der typische Pfeiffton verschwindet, aber auch das Wiehern ist gedämpft. Vorteil der OP: Das Pferd bekommt wieder ausreichend Luft.

Zähne: „Mut zur Lücke“, rät Zahnspezialist Dr. Timo Zwick von der Tierärztlichen Klinik Gessertshausen Besitzern, deren Pferde etwa durch einen Unfall einen Zahn einbüßten. „Bei regelmäßiger Kürzung und Pflege kommen auch Pferde gut klar, die mehrere Zähne verloren haben. Hauptsache, der jeweilige Gegenspieler steht noch.“ Brücken und Zahn-Implantate werden bei Pferden nicht gesetzt. „Ein Backenzahn-Implantat im Pferdemaul müsste einem Kaudruck von rund 100 Kilo standhalten. Das ist kaum machbar.“

Augen: Kontaktlinsen gibt es auch für Pferde. Sie werden aufgelegt oder ins Auge eingepflanzt. „Linsen im Augen-innern setzen wir ein, wenn die natür-liche Linse getrübt, zerstört oder entfernt wurde“, erklärt Professor Dr. Dr. József Tóth von der Tierklinik Hochmoor. Das kann im Fall des Grauen Stars hilfreich sein, der die Linse bis zur Blindheit trübt. Eine andere Methode wurde am Veterinary Medical Center der University of Florida/USA erprobt. Dort wurden von 1993 bis 2007 ganze 206 Hornhaut-Transplantationen bei Pferden durchgeführt. Bei dieser Technik wird auf Hornhaut-Spenden zurückgegriffen, die tiefgekühlt auf ihren Einsatz warten. „Wir haben damit gute Ergebnisse erzielt und viele Augen gerettet, die andernfalls verloren gewesen wären“, erklärt Professor Dennis Brooks.