Sommerekzem & Co: Hautkrankheiten bei Pferden

Stoffwechselstörungen und Allergien

Ein Fettfilm und ein Haufen toter Hornzellen – das ist kurz erklärt die Pferdehaut. Sie schützt vor Witterung und Parasiten und leistet einiges. Wie entstehen Krankheiten wie das Sommerekzem, welche Gefahr stellen Bakterien, Viren und Pilzen dar?

 

CAVALLO Pferdehaut Sommerekzem
Foto: Rädlein Typischer Rattenschweif: Ekzemer rubbeln sich an der Rübe.

Auf der Haut ist viel Platz für Signale aus dem Inneren des Körpers. „Die Haut ist ein wichtiger Indikator für den Allgemeinzustand, sozusagen ein Spiegel der Gesundheit“, sagt Professor Meyer und zählt auf, was ihr alles schadet: Stoffwechselstörungen wie das Cushing-Syndrom, Vergiftungen mit Schwermetallen oder Giftpflanzen, Würmer, Leber-, Nieren- und Darmschäden. „Die legen die Versorgung lahm. Und wenn man weder Hormone noch Baumaterial wie Keratin oder Glykoproteine rankriegt, wird die Haut spröde.“ Wie der Körper und seine Hülle genau zusammenwirken, ist noch nicht bis ins letzte erforscht. Das betrifft besonders Allergien. „Hier summieren sich viele verschiedene Faktoren. Wenn eine bestimmte Schwelle erreicht ist, bricht die Allergie aus.

Das betrifft, ebenso wie beim Menschen, immer mehr Pferde“, beobachtet Dr. Regina Wagner von der Veterinärmedizischen Universitätsklinik Wien. „Wir sehen vor allem Atopien, also allergische Hautreaktionen auf Pollen, Hausstaubmilben, Futtermilben oder Schimmelpilze. Hinzu kommen Allergien auf Insekten oder Medikamente.“ Wobei die Haut sich nicht nur gegen Arzneien zur Wehr setzen kann, sondern sogar gegen vermeintlich sanfte Mittel wie Teebaumöl oder Ballistolanimal. Dr. Wagner: „Darauf sehe ich öfters Kontaktallergien oder Überempfindlichkeitsreaktionen.“

Auch Getreide oder Zusatzfuttermittel können Allergien verursachen. Andererseits helfen bestimmte Futterstoffe der Haut bei ihrem Schutzdienst. „Sie braucht Aminosäuren wie Methionin und Lysin, außerdem Zink, Vitamin A, Biotin und Fettsäuren“, zählt Futterspezialistin Professor Christine Iben von der Uni Wien auf. „Wobei ich weder zusätzliche Aminosäuren, also Eiweiß, noch Vitamin A füttern würde, denn damit sind Pferde gut versorgt. Bei Zink, Biotin und Öl können Sie aber nichts falsch machen.“

„Jeder Mangel im Futter wirkt sich auch auf die Haut aus“, bestätigt Kollegin Dr. Wagner. „Andererseits kann man Hautschäden durch Futter nicht absolut vorbeugen oder sie gar heilen.“ Ein ganz simples Rezept gegen gängige Hautleiden geben aber die Professoren Böhm und Meyer gerne weiter. „Sattellage, Beine und Fesselbeugen unbedingt trockenhalten, Satteldecken regelmäßig waschen, Beine nicht in feuchtem Zustand einbandagieren“, empfehlen beide Haut-Experten. Das beugt zumindest Infektionen wie Dermatophilose, Mauke und Pilzen vor. Notfalls muss man empfindliche Pferde, ebenso wie Sommerekzemer, draußen mit dichten Spezialdecken schützen. Eine Decke hält nun auch dem Trakehner-Mix Cash Nässe und Bakterien vom Leib. Spöttern und Dogmatikern gegenüber kontert Besitzerin Bromberg, die ihr Pferd nie wieder Tag und Nacht in die Box sperren will, mit handfester Vernunft: „Das ist das einzige, was gegen die Knubbel hilft. Ich bin ein absoluter Verfechter der Offenstallhaltung. Aber bevor mein Pferd draußen leidet, decke ich es lieber ein.“ Recht hat sie.

Loading  

Artikel zum Thema Sommerekzem bei Pferden:

Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

10 Bilder
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners

11.07.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2000