Sommerekzem & Co: Hautkrankheiten bei Pferden

Equine Sarkoide und Vitiligo

Ein Fettfilm und ein Haufen toter Hornzellen – das ist kurz erklärt die Pferdehaut. Sie schützt vor Witterung und Parasiten und leistet einiges. Wie entstehen Krankheiten wie das Sommerekzem, welche Gefahr stellen Bakterien, Viren und Pilzen dar?

 

CAVALLO Pferdehaut Sommerekzem
Foto: Rädlein Wuchernde Pigmentzellen bilden Melanome - vor allem bei Schimmeln.

Pigmente schützen nicht nur vor UV-Strahlen, sondern bringen auch Farbe ins Fell – je nachdem, wieviel Melanin in spezialisierten Zellen, sogenannten Melanozyten, gebildet wird. Wie produktiv die Farbfabrik ist, entscheiden Hormone. Eins von ihnen, das Melanotrope Hormon (MSH), fließt aus der Hirnanhangdrüse mit dem Blut in die Haut. Dort sorgt es dafür, daß die Melanozyten Melanin produzieren. Stellen die Hormone ihre Arbeit ein, verblaßt das Fell. Forscher beobachteten 1984 an Camargue-Pferden, daß deren MSH-Spiegel im Blut sinkt, je heller sie werden. „Normalerweise vermehren sich Melanozyten beim erwachsenen Tier nicht mehr. Sind sie fehlgesteuert, wuchern sie zu Melanomen“, erklärt Professor Meyer – ein Krebs, unter dem vor allem Schimmel leiden.

„Zusätzlich stimulieren Sexualhormone den Stoffwechsel der Pigmentzellen und regeln den Haarwechsel des Fohlens zum erwachsenen Pferd“, so der Haut-Forscher. Dieses System ist kompliziert und entsprechend störanfällig. Überall kann es zu Pannen kommen. Bei weißgeborenen Albinos zum Beispiel, die bei Pferden anders als bei Kaninchen und Mäusen äußerst selten vorkommen, produzieren die Pigmentzellen von Geburt an kein Melanin – die Haut ist rosa, die Iris farblos, weshalb Adern rot durchschimmern. Den tödlichen Melanin-Verlust fürchten vor allem Paint-Züchter. Wird ein Overo-Fohlen mit diesem „Lethal White Syndrom“ geboren, stirbt es binnen weniger Tage, weil die Pigmentstörung mit einem Darm-Defekt gekoppelt ist. Weißgeborene Pferde mit blauen, sogenannten Fischaugen sind dagegen kerngesund.

Völlig harmlos sind auch rosa Flecken oder Ringe um Maul, Augen, Vulva oder After. Wissenschaftler bezeichnen dieses vermutlich ebenfalls angeborene Phänomen, bei dem nicht nur Pigmente, sondern komplette Pigmentzellen fehlen, als Vitiligo. Weniger harmlos sind Equine Sarkoide – von Viren hervorgerufene Tumore, unter denen eines von 100 Pferden unabhängig von der Farbe leidet. Der Uni Wien gelang es nun, durch Operation plus Behandlung mit Zellwachstumshemmern die Heilungschancen auf 94 Prozent zu steigern.

Solche Tumore entstehen, wenn der Hautstoffwechsel enthemmt ist. Umgekehrt kann er aber auch blockiert sein. Das passiert immer dann, wenn die Haut gequetscht, verletzt oder chemisch verätzt wird, etwa durch Sattel- und Bandagendruck, Biß- und Schnittwunden oder Kaltbrände. All dies hinterläßt weiße Haare, die sich struppiger anfühlen als das restliche Fell. „Ein Versorgungsengpaß“, erklärt Professor Meyer. „Stockt der Stofftransport zwischen Körper, Haut und Haaren, wird das Fell grisselig und dünn.“ Ob Haare über solchen Wunden weiß oder normal nachwachsen, ist wie Lotterie. „Leider läßt sich das nicht vorhersagen, weil Melanozyten individuell auf Eingriffe reagieren“, so der Hannoveraner Anatomie-Experte.

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11.07.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2000