Kolik: Ursachen, Therapie, Operation

Kolik bei Pferden - Operation ja oder nein?

Bauchschmerzen sind stets ein Notfall, äußern sich aber nicht bei jedem Pferd gleich. Auf welche Alarmsignale müssen Besitzer achten – und wie beugt man einer Kolik vor?

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Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
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Jede Kolik ist ein Notfall! Benachrichtigen Sie sofort den Tierarzt, und schildern Sie ihm genau die Symptome. Bis er kommt, darf das Pferd weder fressen noch trinken. Gehen Sie ruhig mit dem Pferd spazieren, wenn es freiwillig mitläuft – aber auch nicht stundenlang. „Stellen Sie das Pferd in eine große Box oder Reithalle, wo es sich wälzen kann“, rät Dr. Scheidemann. Wälzen führt nicht zu weiteren Komplikationen, sondern verschafft dem Pferd die dringend notwendige Erleichterung.

Tierärzte setzen gezieltes Wälzen bei bestimmten Dickdarmverlagerungen unter Vollnarkose in manchen Fällen sogar als Behandlung ein.

MEDIKAMENTE UND PUNKTION: Bei Krampfkolik spritzt der Tierarzt in der Regel krampflösende und kreislauffördernde Mittel. Bei Gaskolikern sollen Medikamente oder Einläufe die Darmtätigkeit anregen, damit Gase abgehen. In schweren Fällen lassen sich betroffene Darmabschnitte nur durch Punktion von außen (z.B. Blinddarmpunktion) entgasen.

Bei Verstopfung wird der Darminhalt durch Abführmittel wie Glaubersalz oder Paraffinöl aufgeweicht. Die Gleitfähigkeit des Darms wird durch Glaubersalzlösung und Paraffinöl verbessert. Infusionen wirken gegen Austrocknung und Bluteindickung. Überladene Mägen entleert der Tierarzt per Magenschlundsonde.

OPERATION: Bei Darmverschluss, Drehung, Knickung, Einklemmung, Einstülpung und Verlagerung von Darmabschnitten ist eine Operation häufig die einzige Rettung. Abgestorbene Darmabschnitte werden entfernt, gedrehte Darmteile zurechtgerückt. Doch die Operation bleibt riskant, auch weil die Vollnarkose das geschwächte Pferd belastet. Die Behandlungsdauer hängt immer von der Art der Beschwerden ab. So kann der Tierarzt eine Krampfkolik mit einem krampflösenden Mittel manchmal schon in drei bis fünf Minuten kurieren.

Die Behandlung einer Verstopfung kann hingegen zwei bis drei Tage dauern. Nach einer Operation braucht der Patient drei bis sechs Monate, bis er vollständig genesen ist und wieder voll geritten werden kann.

ALTERNATIVE BEHANDLUNG: Homöopathika wie Nux vomica, Belladonna, Colocynthis, Cuprum, Opium oder Colchicum können eine schulmedizinische Behandlung ergänzen. Als Alleintherapie können sie aber
nur leichte Krampfkoliken kurieren. Experimentieren kann lebensgefährlich sein.

OPERATION JA ODER NEIN?: Im Einzelfall kann strittig sein, ob eine Kolik-Operation sinnvoll ist. Anhaltspunkte für die Erfolgsaussichten sind unter anderem Pulsfrequenz, Hämatokrit- und Laktat-Wert des Bluts. Aus dem Abweichen eines einzelnen Laborparameters kann aber nicht auf eine ungünstige Prognose geschlossen werden. Experten fordern daher ein umfassendes Monitoring des Kolikpatienten. Die Überlebensrate nach einer OP ist unter anderem abhängig vom betroffenen Darmabschnitt. Die Überlebenschance steigt, wenn der Tierarzt schnell die korrekte Diagnose stellt.

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15.09.2015
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO