Kolik: Ursachen, Therapie, Operation

Kolik-OP ja oder nein?

20 bis 30 Prozent der Pferde mit Kolik müssen unters Messer. Die Operation ist teuer und keine Garantie, dass es dem Patienten danach besser geht. So treffen Reiter die richtige Entscheidung.

Fotostrecke: Nachtschicht: Bilder aus der Pferdeklinik

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Pferdekliniken Notdienste Medizin Koliken Foto: Kraufmann
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Eine Kolik ist der Horror für jeden Reiter. Denn längst nicht immer hilft dem Pferd eine krampflösende Spritze. Es geht auch viel schlimmer: „Jedes dritte bis vierte Tier muss auf den OP-Tisch“, sagt Dr. Tim Steinberg, Kolik-Experte von der Tierklinik Lüsche in Bakum/Niedersachsen. Die Operation kostet nicht nur mehrere tausend Euro, die Ärzte können auch nicht jedes Pferd retten. Manche Tiere müssen noch in Narkose eingeschläfert werden, andere überleben zwar die OP, kommen aber nicht wieder in Form. Hartnäckig hält sich daher das Gerücht, eine Kolik-OP sei nur Geldmacherei und bringe mehr Probleme als Nutzen. Wir geben Ihnen alle wichtigen Infos, die Sie im Fall der Fälle brauchen.

Sieht man am Verhalten, ob das Pferd unters Messer muss?

Nein. Mit bloßem Auge können das weder Besitzer noch Tierarzt erkennen, denn vom Schweregrad der Symptome lässt sich nicht auf den Schweregrad der Kolik schließen. Pferde, die sehr gestresst sind, brauchen möglicherweise nur eine krampflösende Spritze. Gleichzeitig kann ein ruhiger Kandidat ein Fall für den OP-Tisch sein. Daher lautet unsere Empfehlung: Rufen Sie sofort einen Tierarzt, wenn Ihr Pferd kolikt.

Erste Hilfe im Fall einer Kolik:

Entfernen Sie Futter und Wasser. Gehen Sie mit dem Pferd spazieren, wenn es willig mitläuft – aber auch nicht stundenlang. Möchte sich das Tier nicht bewegen, zwingen Sie es nicht dazu. Stellen Sie das Pferd in eine große Box oder Reithalle, wo es sich wälzen kann.

Wie findet der Tierarzt heraus, warum das Pferd eine Kolik hat?

Der Tierarzt muss das ganze Pferd unter die Lupe nehmen. Dazu konzentriert er sich zunächst aufs Verhalten, äußerliche Symptome wie einen geblähten Bauch, die Vorgeschichte, Zahnpflege, Entwurmung, Haltung sowie Fütterung. Außerdem kontrolliert er Kreislauf, Atmung, Puls sowie Körpertemperatur des Patienten. Mit einem Stethoskop hört er, wie der Darm blubbert. Schon diese ersten Checks liefern dem Tierarzt viele wichtige Hinweise, warum es dem Pferd nicht gut geht. Eine der aussagekräftigsten Untersuchungen bei Kolikern ist der Griff in den Pferde-Po, also die rektale Untersuchung. „Man kann ungefähr ein Drittel der Bauchhöhle abtasten und beurteilen“, sagt Dr. Marco Grzybowski von der Pferdeklinik Bockhorn/Schleswig-Holstein.

Auch eine Magenschlundsonde kommt häufig zum Einsatz. „Der Magen sollte eigentlich leer sein“, sagt Tierarzt Dr. Tim Steinberg. „Wenn beispielsweise der Dünndarm verstopft, verlagert oder abgeklemmt ist, fließt der Inhalt zurück in den Magen. Läuft eine stinkende, braune Brühe aus dem Schlauch, ist das ein Alarmsignal.“ Diese Checks reichen bei den meisten Kolikern aus, damit der Tierarzt eine erste Verdachtsdiagnose stellen kann.

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15.09.2010
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 10/2015