Sommerekzem & Co: Hautkrankheiten bei Pferden

Labor-Test: Errerger in Haut-Proben aufspühren

Ein Fettfilm und ein Haufen toter Hornzellen – das ist kurz erklärt die Pferdehaut. Sie schützt vor Witterung und Parasiten und leistet einiges. Wie entstehen Krankheiten wie das Sommerekzem, welche Gefahr stellen Bakterien, Viren und Pilzen dar?

 

CAVALLO Pferdehaut Sommerekzem
Foto: Rädlein Spezialdecken schirmen Ekzemer vor Stechfliegen ab.

„Wenn ich die Proben erst bekomme, wenn das Pferd schon zwei Jahre behandelt wurde, erkenne ich die Krankheit kaum noch“, erklärt Dr. Loesenbeck. Narben und Haarverlust erschweren dann die Spurensicherung. In 80 von 100 Fällen finden Labormediziner den Schuldigen für die Panne in der Haut – sofern der die Probe genügend Indizien liefert.

Dazu muß er wiederum vom Pferdebesitzer erfahren: Wann begann das Problem? Entstanden die Schäden langsam oder plötzlich? Wurden sie seither besser oder schlimmer? Besteht Juckreiz, der sich durch Beißen, Scheuern oder Stampfen äußert? Wie oft und wie lange wird das Pferd geputzt; werden Sättel, Bandagen, Striegel oder Bürsten gemeinsam benutzt? Sind mehrere Tiere in einem Bestand betroffen? Wie und womit wurde bereits behandelt? Dann untersucht der Veterinär das Pferd auf Felltyp, -farbe und -glanz, kahle Stellen, lose oder abgebrochene Haare, Schmutz, Parasiten wie Milben, Läuse oder Haarlinge und Hautschäden: Anzahl, Ausbreitung, Form, Durchmesser, Tiefe. Wuchert wildes Fleisch darauf, oder nässen diese Wunden?

Anhand solcher Informationen entscheidet der Tierarzt, welches Proben-Material er ans Labor schickt. Das sind zum Beispiel Hautgeschabsel mit Pilzen und Milben oder Tupferproben, an denen Bakterien kleben. Bei einer Stanzbiopsie schneidet der Veterinär sechs Millimeter große Hautstücke aus dem Pferd, an denen Labormediziner Entzündungen im Gewebe erkennen, die etwa Ekzeme begleiten. „Nur ein Test im Fachlabor führt bei Hautleiden den sicheren Nachweis. Pferdebesitzer sollten diese Kosten deshalb nicht scheuen“, betont auch der Hannoveraner Mikrobiologe Professor Böhm.

Sein Lieblings-Objekt Dermatophilus liefert das beste Beispiel für die Gefahr, die durch Fehldiagnosen droht. „Früher hielt man es für einen Pilz“, sagt Professor Böhm. „Dann sah man genau hin und erkannte, daß es fadenbildende Bakterien sind, die sich dort breitmachen, wo das Pferd naß wird – in der Sattellage, an Rücken und Beinen.“ Viele Tierärzte schöpfen bei Knubbeln und eitrigen Fellfitzeln aber keinen Verdacht. „Wir bekommen selten den Hinweis auf Bakterien“, sagt Dr. Peter Kopp vom Ludwigsburger VetMed-Labor. „Vielleicht liegt es ja daran, daß der Name Dermatophilus leicht mit Dermatophyten, also Pilzen, verwechselt wird.“ Das allerdings ist fatal.

Wird der wunde Rücken eines bakterienbefallenen Pferds mit pilztötenden Shampoos geschrubbt, freuen sich allein die Mikroben – schließlich kann ihnen die rauhe Prozedur nichts anhaben. „Eine Dermatophilus-Infektion heilt nur durch die richtigen Antibiotika“, sagt Professor Böhm.

Loading  

Artikel zum Thema Sommerekzem bei Pferden:

Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

10 Bilder
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners

11.07.2012
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 09/2000