Narkolepsie: Symptome Ursachen Behandlung

Narkolepsie - Diagnose

Die mysteriöse Schlafkrankheit trifft Fohlen und ältere Pferde. Sie stürzen plötzlich im Stehen oder Gehen zu Boden. Was löst die Anfälle aus?

Im Zweifel gibt es pharmakologische Tests, um Narkolepsie zu diagnostizieren. „Das Pferd bekommt Medikamente, die die Anfälle entweder auslösen oder sie unterdrücken“, sagt Bathen-Nöthen. Sie bevorzugt die Variante, den Anfall mittels Atropin zu unterdrücken.

„Atropin ist etwas verträglicher als das Mittel Physostigmin, das Anfälle auslöst.“ Das Problem: Der Test ist nur dann praktikabel, wenn sich zumindest mit einer gewissen Sicherheit vorhersagen lässt, dass das Pferd in einer bestimmten Situation zusammenbrechen wird. Das Atropin bewirkt dann bei einem Pferd, das tatsächlich unter Narkolepsie leidet, dass es in den kommenden 24 Stunden keinen weiteren Anfall haben wird.

„In jedem Fall sollte das Pferd in einer Klinik getestet werden“, betont Andrea Bathen-Nöthen. Denn sowohl Atropin als auch Physostigmin können insbesondere Kolik als gefährliche Nebenwirkung auslösen.

Narkolepsie ist eine funktionelle Störung von Großhirn oder Hirnstamm, bei der Botenstoffe (Neurotransmitter) zur Schlafsteuerung nicht mehr gebildet werden. „Es gibt eine angeborene Form, die sich schon beim Fohlen zeigt, und eine erworbene Form, an der ein Pferd später in seinem Leben erkrankt“, sagt Bathen-Nöthen. Bei der ersten Form werden diese Botenstoffe von Geburt an nicht gebildet; bei der erworbenen Variante scheint die Produktion erst nach und nach abzunehmen, bis der Schlaf nicht mehr richtig gesteuert wird und sich schließlich Anfälle zeigen.

Weshalb die Schlafsteuerung versagt, ist nicht klar. Vergleiche zwischen Narkolepsie bei Hunden und Menschen lassen vermuten, dass es sich um eine komplexe biochemische Störung in weiten Teilen des Gehirns handelt. In jüngster Zeit konzentrieren sich Wissenschaftler, die sich mit der mysteriösen Schla rankheit befassen, auf den Botenstoff Hypocretin – ein Hormon, das unter anderem den Schlafrhythmus beeinflusst. Bei Menschen mit Narkolepsie wird vermutet, dass eine Autoimmunerkrankung die Nervenzellen (Neurone) zerstört, die diesen Neurotransmitter enthalten. Allerdings wurden geringe Hypocretin-Konzentrationen bisher nur bei denjenigen Patienten nachgewiesen, die gleichzeitig auch an Kataplexie litten.


28.03.2014
Autor: Linda Krüger
© CAVALLO
Ausgabe 10/2010