Pferde-Gesundheit: Ist Entgiften bei Pferden nötig?

Eine gewisse Menge Gift schadet nicht

Pferde nehmen täglich Gifte auf - beim Fressen im Stall oder Dösen auf dem Paddock. Massage, Kräuter, Nadeln, Egel oder Globuli sollen den Pferdekörper von innen reinigen. CAVALLO hat Pferde-Experten befragt. Macht Entschlacken Sinn?

Ist das wahr, oder entschlacken solche Kuren nur den Geldbeutel des Reiters? Fakt ist: „Im Körper tummeln sich viele Giftstoffe wie etwa Schwermetalle sowie Abbauprodukte von Pflanzen- sowie Schimmelpilzgiften“, sagt Professor Ernst Petzinger, Geschäftsführender Direktor vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. „Sie lassen sich mit chemischen Analyseverfahren nachweisen.“

Anders sieht es mit Schlacken aus. Hierbei handelt es sich laut Heilfastenanhängern unter anderem um Zwischenprodukte eines unvollständigen Eiweißsto” wechsels. Dass solche Schlacken existieren, ist wissenschaftlich nicht belegt. Gleiches gilt für vermeintliche Schadstoffe, die sich in Zwischenzellräumen ablagern sollen. „Hier rauscht ständig Flüssigkeit durch. Da kann sich nichts absetzen“, meint Petzinger und stellt klar: „Ein gesunder Körper ist in der Lage, eine gewöhnliche Menge Umweltgifte umzuwandeln und auszuscheiden, ohne dass er ein Leben lang darunter leiden muss.“

Diesen Job übernehmen vor allem Leber und Nieren. Sie œ schen das Gift aus dem Blut und schleusen es aus dem Körper. „Bei einer schweren Grunderkrankung wie Darmentzündung, einer geschwächten Leber oder insuffizienten Nieren gibt es Probleme“, sagt Professor Kerstin Fey, Leiterin der internistischen Abteilung der Klinik für Pferde an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Darmentzündungen treten glücklicherweise selten auf, Leber und Nieren der Pferde sind hingegen häuœfiger geschwächt, als man denkt. Das liegt vor allem daran, dass sichtbare Symptome und erhöhte Blutwerte meist erst auftreten, wenn das Organ fast gänzlich geschädigt ist.

Experten wie Professor Fey warnen davor, Wurmkuren und Autoabgase für geschwächte Organe verantwortlich zu machen: „Was Leber und Nieren der Pferde heutzutage am meisten belastet, sind Sto”ffwechselstörungen, die durch mangelnde Bewegung und zu viele Kohlenhydrate entstehen.“

Tatsächlich lassen sich die Entgiftungsorgane mit dem einen oder anderen Mittelchen stärken, zerstörte Zellen werden jedoch nicht wieder lebendig. „Die Naturheilkunde stößt an ihre Grenzen, wenn mechanische Behinderungen oder Krankheiten, bei denen eine OP nötig ist, das Pferd schwächen“, sagt Tierarzt Dr. Jochen Becker aus Tespe bei Hamburg, der sich auf Ganzheitliche Medizin spezialisiert hat.

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Der CAVALLO-Tipp:

Wer sein Pferd entgiften lassen möchte, sollte es vorher durchchecken lassen. Wenden Sie sich am besten an einen Tierarzt, der die Zusatzbezeichnung Akupunktur, Homöopathie oder Biologische Medizin trägt. Der Titel garantiert eine fundierte Ausbildung auf dem jeweiligen Fachgebiet. Eine Übersicht dieser Tierärzte finden Sie unter www.ggtm.de. Auf den folgenden Seiten haben wir Entgiftungs-Methoden unter die Lupe genommen.

Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
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Fotostrecke: Fotostrecke: Medical Training für Pferde

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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18.01.2013
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO