Pferde-Gesundheit: Ist Entgiften bei Pferden nötig?

Pferde entgiften mit Pflanzen

Pferde nehmen täglich Gifte auf - beim Fressen im Stall oder Dösen auf dem Paddock. Massage, Kräuter, Nadeln, Egel oder Globuli sollen den Pferdekörper von innen reinigen. CAVALLO hat Pferde-Experten befragt. Macht Entschlacken Sinn?

Viele Futtermittelhändler bieten Entgiftungskuren an. Pflanzen wie Artischocke, Petersilie und Mariendistel sollen Leber sowie Nieren stärken und so die Ausleitung von Giftstoffen ankurbeln. „Solche Kräuterkuren sind nicht so hoch dosiert“, sagt Tierheilpraktikerin Julia Melanie Hahlweg aus Bad Liebenzell in Baden-Württemberg. „Das bedeutet nicht, dass sie schlecht sind. Sie regen den Körper an, putzen aber nicht gründlich durch.“

Die Tierheilpraktikerin stellt Pferdebesitzern lieber eine Entgiftungskur mit hochdosierten Kräutern zusammen. „Für die ersten acht Wochen gibt es ein Paket, das unter anderem Mariendistel, Artischocke, Wermut, Anis, Fenchel und Bockshornklee enthält“, sagt Julia Melanie Hahlweg. „Direkt im Anschluss folgt ein Zwei-Monats-Paket, das unter anderem mit Goldrute, Brennnessel, Petersilie und Echinacea gefüllt ist.“ Doch können Pflanzen tatsächlich Leber und Nieren stärken?

„Bekannt ist, dass schwefelhaltige Kräuter wie Knoblauch Schwermetalle im Pferdedarm binden und den Abtransport aus dem Körper beschleunigen“, sagt Toxikologe Professor Ernst Petzinger von der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Sind die Schadstoffe bereits in Leber oder Nieren gebunden, tritt kein deutlicher Entgiftungseffekt auf.“ Und was ist mit Mariendistel, der eine leberstärkende Wirkung nachgesagt wird: „Das Extrakt der Pˆflanze schützt das Organ vor zahlreichen Schadstoffeinwirkungen“, sagt Professor Petzinger. „Dafür muss Mariendistel aber vor der Giftaufnahme verabreicht werden.“

Auch Fütterungsspezialistin Professor Ellen Kienzle vom Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München bestätigt die Wirkung von Mariendistel. Sie warnt jedoch insbesondere vor der Fütterung von Knoblauch: „Pflanzen können giftig sein, wenn man sie falsch dosiert. Das Problem: Die Toxizität ist beim Pferd noch nicht ausreichend erforscht.“ Sie rät auch zur Vorsicht beim Füttern mehrerer Pflanzen gleichzeitig. „Über die Wechselwirkung vieler Kräuter weiß man noch zu wenig.“

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Homöopathie fürs Pferd

„Mit Globuli kann man den ganzen Körper anregen oder nur einzelne Organe ansprechen und pflegen“, sagt Tierheilpraktikerin Julia Melanie Hahlweg. „Ich verwende gerne Homöopathika, um ein Pferd, das auf den ersten Blick völlig gesund wirkt, von Giftstoffen zu befreien.“ Bei Tieren, die beispielsweise ein stumpfes Fell oder Schuppen haben, kombiniert sie Globuli mit einer Kräuterkur. Bei schwer kranken Pferden setzt sie zusätzlich Akupunkturnadeln.

Auch Tierärztin Dr. Nicole Schumann aus Isernhagen bei Hannover hat homöopathische Mittelchen immer parat. Sie greift zu Nux Vomica, wenn sie zuvor ein Pferd sedieren musste. „So werden die Reste der Beruhigungsspritze schnell aus dem Tier geleitet“, sagt Schumann, die viele Fortbildungen zu Akupunktur, Chiropraktik sowie Pferdezahnheilkunde absolviert hat. Lässt sich die Wirkung wissenschaftlich bestätigen? „Ich weiß, dass es über die Homöopathie bei Pferden keine aussagekräftigen Studien gibt. Nichtsdestotrotz habe ich damit bislang nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Nicole Schumann.

Lymphdrainage für Pferde

Bei dieser speziellen Massage handelt es sich nur um eine Teil-Entgiftung des Körpers. „Es wird lediglich das Lymphsystem stimuliert“, sagt Julia Melanie Hahlweg. Um den Abtransport von Gewebsˆ üssigkeit zu verbessern, wird das Pferd mit langsamen, kreisenden Bewegungen systematisch massiert. Das dauert rund eine Stunde. Die Expertin rät: „Legen Sie nicht selbst Hand an. Rufen Sie lieber einen Profi.“ „Ich wende die Lymphdrainage gerne in Kombination mit einer Kräuterkur bei Pferden an, die lange schwer krank waren“, sagt Hahlweg. „Das Pferd wird alle zehn Tage massiert, bis die Lymphknoten danach nicht mehr anschwellen.“

Fotostrecke: Fotostrecke: Medical Training für Pferde

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners

18.01.2013
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO