Pferde-Gesundheit: Ist Entgiften bei Pferden nötig?

Futterenzug als Kur?

Pferde nehmen täglich Gifte auf - beim Fressen im Stall oder Dösen auf dem Paddock. Massage, Kräuter, Nadeln, Egel oder Globuli sollen den Pferdekörper von innen reinigen. CAVALLO hat Pferde-Experten befragt. Macht Entschlacken Sinn?

Futterentzug ist die beste Kur, um Pferde zu entschlacken. Stimmt das? Hier sind drei fette Entgiftungs-Mythen – mit Auflösung.

Fasten ist am effektivsten:

Heilfasten liegt bei Menschen voll im Trend. Der Verzicht auf jegliche feste Nahrung soll die Folgen schlechter Ernährung und Umweltgifte ausradieren. Funktioniert das auch beim Pferd? „Das geht gar nicht“, sagt Professor Ellen Kienzle vom Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Pferde brauchen Heu, damit die Verdauung nicht entgleist.“ Von Operationen weiß man, wie gefährlich ein radikaler Nahrungsentzug sein kann: Magengeschwüre, schwerste Koliken und lebensgefährliche Darmentzündungen können die Folge sein. Auf eine Portion Hafer kann bei vielen Pferden hingegen getrost verzichtet werden.

Moderne Futtermittel sind giftig:
Ob Haferkorn, Grashalm oder Heuballen, kaum ein Futtermittel ist frei von Abgasen, Spritzmitteln oder anderen Umweltgiften. Pferde nehmen so täglich eine gewisse Dosis Schadstoffe auf. „Die Tiere stecken das normalerweise gut weg“, sagt Ellen Kienzle. „Vor 50 Jahren waren Futtermittel noch erheblich dreckiger.“ Was die Expertin viel mehr beunruhigt, ist der Zuckergehalt in Kraftfutter und auf üppigen Weiden. „Das ist viel schädlicher“, sagt Kienzle. Folgen: Die Pferde verfetten, der Stoffwechsel ist gestört, Hufrehe und andere Wohlstandskrankheiten drohen. Sie rät, nur so viel Kraftfutter wie nötig zu füttern und die Weidezeit bei jedem Pferd individuell anzupassen.

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Pferde nehmen in der Box weniger Giftstoffe auf:

Schadstoffe machen vor Stalltüren keinen Halt. Ob geschlossener Stalltrakt oder offene Weidehütte, mit Wurmkuren, Impfungen und anderen Medikamenten sowie Hafer und Heu werden alle Pferde versorgt. Fakt ist: „Was den Stoffwechsel enorm belastet, ist zu wenig Bewegung“, sagt Professor Kerstin Fey. Folge von 23-stündiger Boxenhaft: Leber und Nieren arbeiten auf Sparflamme. Bei Pferden, die sich viel bewegen, klappt der Stoffwechselund somit die natürliche Entgiftung besser.

Fotostrecke: Fotostrecke: Medical Training für Pferde

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CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
CAVALLO Medical Training Tierarzt Pferdemedizin Foto: Lisa Rädlein
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Fotostrecke: Sonografie: Ultraschall-Untersuchung am Pferd

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CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
CAVALLO Ultraschall Foto: Tierklinik Partners
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18.01.2013
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO