Pferdeauge: Hornhaut-Geschwüre erkennen

Therapie

Pferdeaugen sind sensibel: Scheuern, Insektensprays oder schief wachsende Wimpern können das Pferdeauge so reizen, dass sich Geschwüre bilden. Wie kann der Tierarzt die Erkrankung stoppen?

 

CAVALLO Pferdeaugen
Foto: Gerken_privat Fragen Sie bei Erkrankungen der Augen immer sofort den Tierarzt um Rat.

Das Pferdeauge sollte im Krankheitsfall schnell vom Tierarzt behandelt werden. Er entfernt das lose Epithel und desinfiziert die Wunde. Die benachbarten gesunden Epithelzellen werden so zur Teilung angeregt, die Verletzung wächst allmählich zu. Das Pferd wird einige Tage mit antibiotischer Augensalbe und Schmerzmitteln behandelt.

Bei tiefen Hornhautgeschwüren am Pferdeauge verabreicht der Tierarzt ebenfalls antibiotikahaltige Augensalbe. Zusätzlich bekommt das Pferd Schmerzmittel und Atropin, was den Krampf im Auge löst. Wichtig ist, dass das Pferd weiter blinzeln kann, damit ein Tränenfilm das Auge bedeckt. „Völlig falsch ist es, ein Lokalanästhetikum einzusetzen, das den Lidschlag verhindert“, sagt Dr. Willy Neumann. „Auch Cortison schadet mehr, als es nützt.“ Streptokokken und Pseudomonas produzieren Kollagenasen. Das sind Enzyme, die Stromagewebe auflösen. Cortison potenziert die Kollagenaseaktivität um das zehnfache. Der Tierarzt sollte also nur sogenannte nichtsteroidale Entzündungshemmer verabreichen. Außerdem empfiehlt der Augenexperte Acetylcystein-Spüllösung, weil es die Kollagenaseaktivität hemmt.

Manche Ärzte setzen zur Heilung auf Kontaktlinsen für Pferde, damit das Gewebe darunter schmerzfrei regenerieren kann. „Das ergibt aber nur bei oberflächlichen Defekten Sinn“, sagt Dr. Neumann. Sinnvoll kann eine subpalpebrale Lavage im Oberlid sein. Dazu wird ein Schlauch von oben durch das Oberlid hindurch zum oberen Bindehautgewölbe (Fornix) geführt. Das Pferdeauge wird so mit Spülflüssigkeit sauber gehalten und mit Medikamenten versorgt. „Wenn das Pferd ohnehin für die Diagnose sediert wurde, ist so eine subpalpebrale Lavage schnell angebracht“, sagt der Augenspezialist.

Schlägt die konservative Therapie nicht an oder ist die Erkrankung zu weit fortgeschritten, lässt sich eine Operation manchmal nicht vermeiden. Sind nur Epithel und Stroma angegriffen, kann der Chirurg das kranke Gewebe entfernen. Spezieller Gewebekleber kann den Defekt sofort verschließen. Er löst sich im Verlauf der Heilung langsam auf.

Sind die Geschwüre groß, bietet sich eine Bindehautabdeckung an. Das defekte Gewebe des Pferdeauges wird mit einer Bindehautschürze (Flap) geschützt, die auf der Hornhaut festgenäht wird. Damit verlaufen direkt Blutgefäße zur defekten Hornhaut und unterstützen sie bei der Heilung. „Da Bindehaut nicht transparent ist, wird das Pferd sehr eingeschränkt oder auch gar nichts mehr sehen.“

Stattdessen besteht bei tiefen Defekten die Möglichkeit einer Hornhauttransplantation. Dabei wird Hornhaut eines gerade gestorbenen Pferds transplantiert und dem Patienten eingesetzt. Dr. Willy Neumann: „Das funktioniert in der Praxis meist sehr gut, ohne Abstoßung der fremden Hornhaut und ohne Narbenbildung.“ Der Patient kann uneingeschränkt sehen. Problem sind die Kosten: Eine Transplantation wird nicht von OP-Versicherungen übernommen und kann einige tausend Euro kosten.

Alternative Therapie:

Tierheilpraktikerin Julia Melanie Hahlweg aus Bad Liebenzell gibt Homöopathika wie Argentum nitricum, Arsen, Calcium carbonicum, Euphrasia, Hepar sulfuris, Kalium bichromicum. Organpräparate aus Cornea und Corpus vitreum haben sich bewährt.

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30.03.2015
Autor: Cavallo
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Ausgabe /2015