Pferdefell: Haare brauchen Zink und Selen

Blut-Analyse beim Pferd

Blut-Analyse, Haarprobe und Co.: Was die Tests beim Pferd über den Mineral-Status wirklich aussagen.

Keine Angst vor Mathe, diese Rechnung kann jeder Reiter. Professor Jürgen Zentek, Fütterungsexperte und erster Vorsitzender der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, erklärt, wie Sie den Zink- und Selen-Bedarf speziell für Ihr Pferd ausrechnen. Das geht ganz schnell. Die Formeln und Werte sind die neuesten Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie. So sind Sie mit Ihrem Pferd up-to-date.

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Zink: 4 mg/kg Körpermasse hoch 0,75

Diese Formel gilt für ein erwachsenes Freizeitpferd. So geht’s: Potenzieren Sie das Körpergewicht Ihres Pferds mit 0,75. Das geht am einfachsten mit einem Taschenrechner (z.B. über Taste x hoch y). Diesen Wert nehmen Sie mal vier. Fertig. Hier ein Rechenbeispiel: Angenommen, das Pferd wiegt genau 500 Kilo. 500 hoch 0,75 sind rund 106. Dieser Wert mal vier ergibt 424 Milligramm.

„Im Fellwechsel erhöht sich der Bedarf ein wenig“, sagt Jürgen Zentek. Der Unterschied ist nur eine Prise. Die Formel lautet dann: 4,5 mg/kg Körpermasse hoch 0,75. Ebenfalls einen größeren Bedarf haben Pferde, die täglich schweißtreibende Leistung bringen wie Turnierpferde oder trächtige Stuten.

Selen: 0,01 mg/kg Körpermasse hoch 0,75

Gleiches Spiel für das Spurenelement Selen, nur mit viel niedrigeren Werten. Besitzer eines Freizeitpferds potenzieren das Körpergewicht ihres Tiers mit 0,75. Im zweiten Schritt nehmen Sie den Wert mal 0,01. Das dazugehörige Rechenbeispiel für ein genau 500 Kilogramm schweres Pferd: 500 hoch 0,75 sind rund 106. Wenn Sie das Ergebnis mal 0,01 nehmen, kommen Sie auf 1,06 Milligramm.

Auch hier erhöht sich der Bedarf im Fellwechsel und bei Pferden, die täglich Leistung bringen, um eine fürs Auge kaum sichtbare Menge. Die Formel: 0,015 mg/kg Körpermasse hoch 0,75. Das macht bei unserem Beispielpferd rund ein halbes Milligramm aus.

Pferde brauchen Mineralfutter

Grundsätzlich kann man fast davon ausgehen, dass die Spurenelemente Zink und Selen bei jedem Pferd ergänzt werden müssen, das nur Heu, Hafer und Weidegras vertilgt. Was tun? Ein Mineralfutter muss her. „Machen Sie nur nicht den Fehler und nehmen irgendeins“, warnt Fütterungsexpertin Professor Ellen Kienzle. So gehen Sie am besten vor: Berechnen Sie als erstes, welche Mengen Ihr Pferd braucht. Werfen Sie dann einen Blick aufs Etikett des bevorzugten Futtersacks. Deckt die täglich empfohlene Menge des Herstellers den Bedarf Ihres Pferds? Berücksichtigen Sie bei dieser Rechnung auch Müsli, das Ihr Pferd möglicherweise zusätzlich zu fressen bekommt. Sonst wird’s ein Blindflug.

Zink und Selen sind wichtig. Noch wichtiger ist das Gesamtpaket. Ist die komplette Fütterung auf Ihr Pferd abgestimmt? Um das herauszufinden, können Sie sich sämtliche Fachliteratur besorgen – und am besten eine Woche Urlaub fürs Rechnen. Einfacher ist es, den Bedarf und die Futtermengen von einem Experten bestimmen zu lassen. Diesen Dienst bieten Universitäten, Tierärzte, Futtermittelhersteller und unabhängige Futterberater an. „Das kostet einmalig circa 100 Euro, dafür wissen Sie aber genau, wie Sie Ihr Pferd richtig versorgen“, sagt Ellen Kienzle.


23.03.2015
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO
Ausgabe /2015