Pferdefell: Haare brauchen Zink und Selen

Blutwerte beurteilen

Blut-Analyse, Haarprobe und Co.: Was die Tests beim Pferd über den Mineral-Status wirklich aussagen.

„Mineralien sind größtenteils organgebunden. Das Blut ist nur Transportmedium zum Zielorgan. Sprich: Blutwerte wie die von Zink geben nicht den wahren Mineralstoffgehalt im Körper an“, erklärt Dr. Ingrid Vervuert vom Institut für Tierernährung der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig. Ausnahme: „Der Selenwert im Serum spiegelt relativ gut die aktuelle Aufnahme.“

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Zum Schluss werden die Zahlen bewertet:

Für Zink und Selen werden Normalwerte angegeben, die als Orientierung dienen sollen. Liegen die Gehalte im Normalbereich, freut sich der Reiter. Doch Vorsicht: „Die Labore setzen unterschiedliche Normalbereiche an“, sagt Professor Ellen Kienzle. „Welche das sind, hängt von der Literatur ab, auf die sich das Institut stützt. Es gibt zwar neue Werte, die aber noch nicht alle Labore verwenden.“

Die Expertin beschäftigt sich mit dieser Problematik schon länger und hat festgestellt: „Bei Selen liegen die Serumgehalte auffällig vieler Pferde unter der oft verwendeten Untergrenze von 100 Mikrogramm pro Liter. Das haben wir uns daraufhin mal genauer angeschaut – auch die Futterrationen. Selbst bei Pferden, die sehr viel Selen aufnehmen, liegt der Wert häufig unter dieser Untergrenze. Da muss man sich schon fragen, ob der Referenzwert nicht zu hoch angesetzt ist. Ich halte Blutproben in diesem Fall für rausgeschmissenes Geld.“

Das Blutbild landet beim Besitzer

Ohne einen Experten ist die Blutanalyse wertlos. Der Reiter kann aus den Zahlen nicht lesen, ob sein Pferd optimal mit Zink und Selen versorgt ist. Es braucht einen Futterexperten oder Tierarzt der weiß, wie man die Zahlen lesen muss und die Ration bewertet.

Eine zusätzliche Unbekannte: „Der Körper hält Reserven bereit, die er bei Bedarf mobilisieren kann“, sagt Professor Jürgen Zentek. „Es kann also sein, dass der Wert angeblich im Normalbereich liegt, das Pferd aber eigentlich zu wenig Zink und Selen aufnimmt.“ Der sicherste Weg ist daher die Rationsberechnung, nicht das Blutbild.


23.03.2015
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO
Ausgabe /2015